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Oberhausen: Dritte Skihalle in NRW

VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 28.05.2010 - 02:30

Ein finnischer Investor will in Oberhausen innerhalb eines Jahres mit dem Bau einer Skihalle beginnen, die doppelt so groß werden soll wie die Halle in Neuss. Initiator des 85 Millionen Euro teuren Projekts ist Joachim Herden, ein ehemaliger Eishockey-Torwart der DEG.

Mitten auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände breitet sich ein Alpenpanorama aus. Zwischen Endstation des Sesselliftes und Ziel der 600 Meter langen Abfahrt warten urige Jausenstationen auf Gäste. Sogar ein paar Tannenbäumchen haben Designer in die Oberhausener Schneelandschaft hineingezaubert, die vorerst nur als Computersimulation existiert. Geht es nach Projektentwickler Joachim Herden (36), wird die virtuelle Fantasie bald Wirklichkeit. Er plant, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Centro, eine 87 Meter hohe Skihalle mit 400 Meter langer Piste hochzuziehen.

Das Vorhaben kann nur als Kampfansage an die beiden in NRW bereits bestehenden Skihallen in Bottrop und Neuss verstanden werden, auch wenn Herden versichert, dass der Markt Platz für alle drei Indoor-Wintersport-Standorte habe. Die Skihalle biete, so Herden, "einen weitaus höheren Freizeitwert und qualitativ höhere Angebote" als die Konkurrenz. So soll die Halle fast doppelt so hoch wie die Neusser (45 Meter) sein und eine um hundert Meter längere, 30 Meter breitere und zum Teil auch anspruchsvollere Piste bieten. Zu dem Komplex werden ein 200-Betten-Hotel, ein Kongresszentrum, eine Eissporthalle und eine Hausbrauerei gehören.

Schlittschuhe und Braukessel erinnern an Herdens eigene Vergangenheit. Sein Großvater besaß eine Brauerei, sein Vater war Braumeister in Düsseldorf, und er selbst hütete dort für den Eishockey-Club DEG das Tor der Nachwuchsmannschaft. Skihallen haben in Herdens Vergangenheit ebenfalls bereits eine Rolle gespielt. In jungen Jahren war er für die Marketingabteilung im Alpincenter Bottrop tätig. Später plante er eine Halle in Berlin. Aus dem Projekt wurde nichts.

Wolfgang Langmeier vom Bottroper Alpin Center betrachtet das Oberhausener Vorhaben mit einiger Sorge: "Natürlich stehen wir jetzt unter Druck. Im Kerngeschäft gibt es eine große Überlappung. Da kommt es zu einer Verdrängung." Die Neusser Skihalle werde nach Langmeiers Einschätzung bei der Zahl der Einzelbesucher kaum Einbußen erleiden. Allerdings würden die Niederrheiner die neue Halle in Oberhausen wohl beim Firmengeschäft und beim Event-Management zu spüren bekommen.

In Oberhausen hatte es in den vergangenen Wochen Diskussionen über die Ernsthaftigkeit des Skihallen-Projektes gegeben. Besonders Oberbürgermeister Klaus Wehling (SPD) hatte sich zurückgehalten. "Bei mir haben schon viele angebliche Investoren vorgesprochen, die sich dann nicht als Investoren bestätigt haben", sagte er gestern. 2006 scheiterte der Bau eines Gesundheitszentrums unter dem Namen O-Vision. Bis heute liegen weite Teile des 500 000 Quadratmeter großen ehemaligen Stahlwerkgeländes neben dem Centro brach.

Das will Herdens finnischer Investor ändern: Pertti Yliniemi, Mehrheitsgesellschafter der Hotelkette Lapland-Hotels, wird zunächst 85 Millionen Euro investieren. Die Verträge für den Kauf eines 70 000 Quadratmeter großen Grundstücks sind bereits unterschrieben. Laut Herden habe sein Partner Interesse an einer Erweiterung. Der Finne betreibt im hohen Norden Versuchsstrecken, auf denen nahezu alle deutschen Automobilhersteller ihre Modelle testen. Er kalkuliert mit 1,4 Millionen Besuchern pro Jahr. Das ist mehr als Neuss hat. Dort kommt man auf 1,2 Millionen, von denen aber nur 400 000 zum Skifahren oder Snowboarden kommen. Der Rest entfällt auf die Gastronomie.

Auch in Oberhausen dürften Essen, Trinken und Übernachten in der Kalkulation eine wichtige Rolle spielen: "Den größten Energieverbrauch", sagt Herden, "werden wir nicht in der Eishalle, sondern in der Großküche haben."

Auch OB Wehling ist – wohl auch angesichts 600 versprochener Arbeitsplätze – inzwischen von der Seriosität der Skihallen-Pläne überzeugt: "Das kann ein Leuchtturm-Projekt für die Region werden." In Bottrop dagegen sieht manch einer eher einige Lichter ausgehen.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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