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Düsseldorf: Millionen-Poker um Nürburgring

VON THORSTEN BREITKOPF, ANKE KRONEMEYER UND ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 02:30

Düsseldorf (RP). Die Traditions-Rennstrecke ist für das Land Rheinland-Pfalz ein finanzieller und politischer Alptraum. Die Düsseldorfer Betreiber der "grünen Hölle", vor zwei Jahren als Retter gefeiert, wehren sich gegen ihre Kündigung. Der Streit könnte das Ende für die Formel 1 in der Eifel bedeuten.

Vom Rennsport versteht Siegfried Lapawa (rund 500 Mitarbeiter, mehr als 140 Millionen Umsatz) mindestens soviel wie vom Geschäft. "Ich bin empört darüber, wie hier mitten in der Saison die Formel  1 aufs Spiel gesetzt wird, die Helmut Kohl einst für Michael Schumacher an den Nürburgring zurückgeholt hat", ärgert sich der Solinger Unternehmer über die fristlose Kündigung des Landes Rheinland-Pfalz für die Betreibergesellschaft der Rennstrecke, die Nürburgring Automotive GmbH. "Das kann zu einer Bedrohung für den Motorsport in Deutschland werden", fürchtet Lapawa.

Noch im März 2010 feierte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) Nürburgring Automotive GmbH (NAG) als Retter des Rings, nachdem das Land mit dem Betrieb der Strecke und des Areals spektakulär gescheitert war. Rund 330 Millionen Euro hat der Freizeitkomplex mit Achterbahn und Rennwagenmuseum das Land gekostet. Die Betreibergesellschaft NAG mit rund 380 Mitarbeitern gehört jeweils zur Hälfte zwei Düsseldorfer Unternehmen, der Lindner Hotel-Gruppe und der Projektentwicklung Mediinvest GmbH. "Mit der Privatisierung des Betriebs hat der Ring endlich mal eine positive Organisation bekommen, das war gut für den Rennsport", sagt Siegfried Lapawa, der mit einem "Volksporsche" 914/6 selbst erfolgreich Rennen auf dem Ring fährt.

Die politische Freude über die beiden Düsseldorfer Unternehmer Jörg Lindner und Kai Richter (Mediinvest) währte allerdings nicht lange. Richter wurde vorgeworfen, mit einem undurchsichtigen Firmengeflecht und überteuerten Verträgen zu seinen Gunsten fragwürdige Gewinne zu erzielen. Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf. Ein Ergebnis gibt es noch nicht.

Mit der Übernahme durch die NAG flog ein anderer Düsseldorfer raus: Georg Broich hatte 2007 einen Vertrag mit der alten Nürburgring GmbH als exklusiver Catering-Partner für den Nürburgring unterschrieben, Ende 2009 erhielt er die Kündigung. Seitdem macht die NAG alles alleine. Doch die Besucherzahlen des überdimensionierten Erlebnisparks mit angeschlossener Rennstrecke stimmen nicht. Seit Monaten ist die Gesprächsatmosphäre zwischen Land und NAG vergiftet. Als die NAG vorschlug, im Winter Betriebsteile zu schließen und Mitarbeiter zu entlassen, lief das Fass offenbar politisch über.

Die rot-grüne Regierung in Rheinland-Pfalz steht unter Druck: Der Mainzer Landesrechnungshof könnte heute Zahlen über das wahre Ausmaß des Desasters veröffentlichen. Zudem gehen nach der Kündigung des Pachtvertrages nun die Düsseldorfer in die Offensive. "Die Kündigung durch das Land Rheinland-Pfalz ist aus unserer Sicht unwirksam, wir werden Widerspruch einlegen", sagte ein NAG-Sprecher unserer Zeitung. Vorwürfe, die NAG habe die Pacht nicht ordnungsgemäß gezahlt, seien haltlos: "Die Pachtzahlung ist geleistet worden. Es wurde von uns sogar eine Million Euro im Voraus gezahlt. Die NAG hat dem Land Rheinland-Pfalz keinen Euro geschuldet."

Die NAG will den Betrieb des Erlebnisparks und der Rennstrecke unverändert fortsetzen. Die drei am Nürburgring ansässigen Hotels der Lindner-Gruppe sollen angeblich von der Kündigung nicht betroffen sein – auch nicht wirtschaftlich: "Das Vier-Sterne-Hotel am Ring ist das am besten gebuchte der ganzen Lindnergruppe." Aus Sicht der NAG könnte die Kündigung durch das Land Rheinland-Pfalz aber das Ende von Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring bedeuten.

Bislang werden die deutschen Formel-1-Rennen im jährlichen Wechsel auf dem Nürburgring und dem Hockenheimring ausgetragen, der in der Vergangenheit ebenfalls immer wieder in Finanznöten steckte. Nach dem Rennen im vergangenen Jahr wäre der Nürburgring 2013 wieder dran. Lindner und Richter hätten mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ausgehandelt, dass fünf Rennen in zehn Jahren in die Eifel kommen, so die NAG. Das Land Rheinland-Pfalz will nun nach der Kündigung eine Runde aussetzen und erst wieder 2015 einen Grand-Prix zum Ring holen. "Das bedeutet das Ende für Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring. Dutzende Rennstrecken stehen Schlange, etwa der von Redbull gesponserte Salzburgring", so der NAG-Sprecher. Mit viel Geld und langfristigen Verträgen würden die Konkurrenten die Eifelstrecke locker ausbooten.

Quelle: RP


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