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Kunst aus dem Diercke Weltatlas

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 10.01.2011 - 02:30

In der Altstadt gibt es eine Künstlerin zu entdecken, ihre Werke sollte man sich ansehen, sie sind unerhört. Shannon Rankin heißt die Frau, deren poetische und tiefgründige Arbeiten noch bis 12. Februar in der Galerie Voss auf halbem Weg zwischen Kunstakademie und K 20 ausgestellt werden. Sie ist 39 Jahre alt, Amerikanerin und lebt eben nicht in einer der großen Städte, sondern auf dem Land, in Maine. Das hier ist ihre erste Schau in Deutschland.

Rankin verwendet ausschließlich Landkarten aus Papier für ihre Collagen. Das auffallendste Stück wurde bei Voss gleich neben den Eingang gehängt: eine kreisförmige Figur aus 5000 unterschiedlich großen Landkarten-Konfettis. Die Punkte sind wie die Samen bei der Sonnenblume angeordnet. Shannon Rankin hat das vor Ort selbst geklebt, mit einem Beamer legte sie die Position der Punkte vorab fest. Diese großformatige Arbeit kostet 15 000 Dollar, die günstigsten sind mit 600 Dollar veranschlagt: kleine, zerknüllte und neu aufgefaltete Teile von Landkarten, die so aufgeklebt werden, dass sie eine räumliche Wirkung vermitteln.

Die Oberflächen von Rankins Werken kennt man, manchmal sind die Orte lesbar, bekannte Namen von den Fingerreisen durch den Diercke Weltaltlas. Unter dieser Oberfläche wirkt etwas Vieldeutiges, Anziehendes, die Ideen der studierten Grafikdesignerin wirken nach. So geht es einem mit "Peak", den kreisförmig angeordneten Landkarten-Streifen, die sich zu einem Gipfel vereinen (1500 Dollar). Man sucht nach dem Grund dieser Einfälle, sie treiben einen um, man ahnt, dass da ein Geheimnis ist.

Rankin verwendet vor allem Formen aus der Natur, sie bildet Geografien nach, botanische Muster und anatomische Strukturen. Sie begibt sich daheim auf ausgedehnte Expeditionen und dokumentiert und fotografiert in der nahen Umgebung Pflanzen, Blätter, das Kleine, allzu oft im Verborgenen Blühende. Sie liest Sachbücher, die mitunter stark ins Esoterische tendieren, Eckhart Tolles "Eine neue Erde" etwa, das schärfe die Sinne für die Zusammenhänge, findet sie.

Sie will Verbindungen aufzeigen, buchstäblich in die Tiefe gehen. "Vents" etwa besteht aus einer kreisförmig ausgeschnittenen Landkarte, die einen Teil Westafrikas zeigt (1500 Euro). Rankin hat sie mehrmals gestanzt und die gekerbten Stellen nach oben gedrückt. Von nahem betrachtet sieht das wie eine Vulkanlandschaft aus, tritt man ein paar Schritte zurück, mutet das Objekt wie eine Petrischale an, in der Bakterien in einer Nährlösung wachsen.

Ranking verwendete immer schon Landkarten, sie experimentiert damit, seit sie ein Kind ist. Seit zehn Jahren ist sie freie Künstlerin, ihr Mann Justin Richel ist ebenfalls Künstler. Sie schafft neue Räume, erfindet Regionen, erkundet Wahrnehmungen. Sie bewegt sich vom Fassbaren zum Unheimlichen. Man mag das romantisch nennen, aufregend ist es unbedingt.

Die Ausstellung "Disperse/Displace" ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 11 bis 14 Uhr in der Mühlengasse 3 zu sehen.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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