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David Garrett: Brahms mit allen Schikanen

VON NORBERT LAUFER - zuletzt aktualisiert: 03.05.2010 - 02:30

In Jeans locker auf einem Barhocker sitzend – so spielte David Garrett wieder einmal in der Tonhalle. Im ausverkauften Haus erblickte man erstaunlich viele Kinder, die vielleicht ein wenig von seiner früheren Wunderkind-Aura abbekommen sollten. Jedenfalls sahen und hörten sie einen Geiger, der nicht nur seine Etüden geübt, sondern der auch verstanden hat, wie man "Erfolg" im Musikbusiness definiert.

Garrett spielte in der Tonhalle allerdings nichts von seiner neuesten CD, sondern Kammermusik für Violine und Klavier, dieses mitunter sperrige und in städtischen Konzertreihen oft schlecht zu verkaufende Genre. So nennt er seine Tournee auch schlicht "Recital 2010".

Um sein Publikum zu fangen, begann er den Tonhallen-Abend mit Brahms' Ungarischem Tanz in g-moll, natürlich mit allen Schikanen, die zu spontanen Jubelrufen führten. Nach einem kurzen "Guten Abend, Düsseldorf" stieg er direkt mit Brahms' dritter Sonate d-moll ins gedruckte Programm ein. Eine kurze persönliche Begründung, warum ihm dieses Stück am Herzen liegt, genügte. Muss man erwähnen, dass er alle vier Sätze spielte? Häppchenkultur mag Garrett jedenfalls nicht.

Der Geiger zeigte sich als guter Kammermusiker, denn er gab sich hier keineswegs als Star, sondern als Partner des vorzüglichen französischen Pianisten Julien Quentin. Vielleicht hatte er ein paar Lagenwechsel-Seufzer mehr eingebaut als seine Kollegen, aber es war nichts dem Notentext Fremdes zu hören. Seine Technik und seine Intonation waren sowieso wie stets über jeden Zweifel erhaben. Garrett und Brahms – das passte, denn die Sonate atmete romantische Lyrik und Dramatik.

Die Zuhörer waren auch hier begeistert: Applaus nach jedem Satz. Garrett, der stets auch neues, ungeübtes Publikum in die Konzertsäle bringt, hebt nie den pädagogischen Zeigefinger. Dass die ein oder andere Feinheit in leichtem, aber permanentem Gemurmel unterging, war schade – aber das ist vielleicht der Preis für derlei Popularität.

Nach Maurice Ravels "Tzigane" (mit frappierender Technik und musikantischem Elan) bestritten Garrett und Quentin die zweite Hälfte mit Wiener Klassik, bei denen man so gar nicht mit Äußerlichkeiten punkten kann. Bei den Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart (G-Dur) und Ludwig van Beethoven (Frühlingssonate) konzentrierte er sich vielmehr aufs Wesentliche, auf die Charakterisierung der Themen, die Dynamik, den Dialog mit dem Klavier.

Großer Beifall, Blumen, Zugaben mit hohem Virtuositäts-Faktor.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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