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Clapton – klassisch ohne Patina

VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 31.05.2010 - 02:30

Vor 13 000 Fans traten der 65-Jährige und der drei Jahre jüngere Steve Winwood auf ihrer Welttournee im ISS Dome auf. Höhepunkt des Konzerts: der virtuose Dialog von Orgel und E-Gitarre in "Voodoo Chile".

Noch vor dem ersten Takt fährt einem ordentlich der Schrecken in die Glieder: Ohje, denkt man, jetzt spielt Peter Handke also auch noch Rockmusik, als Eric Clapton die Bühne im ausverkauften ISS Dome betritt. Mit so ratlos hängenden Haaren in Halblang und dieser Hornbrille, für die sich Jimi Hendrix aus Scham bestimmt in den Sand der Ostseeinsel Fehmann vergraben hätte, die mit seinem letzten Auftritt 1970 rockgeschichtlich relevant werden durfte. Und hinter dem 65-jährigen Clapton erscheint der drei Jahre jüngere Steve Winwood in einer Art Holzfällerhemd, dass einem auch bange um die Tasteninstrumente werden könnte.

Ach was – ein paar Lappalien sind das im Angesicht der Rockgeschichte, die zum Deutschlandauftakt ihrer Welttournee nicht erinnerungskitschig zelebriert, sondern einfach gespielt wird; bezeugt mit dem schreienden Orgelspiel Winwoods und seinem mitunter kantigen Gitarrenanschlag sowie Claptons Rock- und Bluespoesie, die er seiner hellblauen und (wie kolportiert wird) nagelneuen Fender Stratocaster entlockt. Spätestens nach einer halben Stunde weiß man, dass an diesem vielleicht legendären Abend nichts mehr passieren und der Rock'n'Roll niemals sterben kann. Auch deshalb darf man sich zwischendurch getrost ein Bier holen. Denn auch nach paarminütiger Rückkehr werden Clapton und Winwood noch da sein und mit ihnen der Soul und der Blues. Eine ihre Botschaften ist die Gewissheit, dass die Rockgeschichte in vielen Episoden erzählt wird; eine davon ist das einzige Album des kurzlebigen Blind-Faith-Wunders von '69, das mit etlichen Titeln auch dem denkwürdigen Düsseldorfer Konzert den Boden bereitet.

Als ob es Winwood und Clapton selbst ahnten, strahlen sie eine unerhörte Ruhe aus, ein tiefes Verständnis füreinander. Selten wird das so deutlich wie im akustisch dominierten Mittelteil, zu dem sich alle Musiker setzen und eine Version von "Layla" hervorzaubern, die noch lange durch den ISS-Dome zu schweben scheint. Klassiker wie "Georgia" und "After Midnight" werden neu geboren – und bei "Cocaine" sind es die 13 000, die das letzte Wort haben dürfen. Kein Ton ist ohne Grund und Ursprung, und darum darf auch "Gimme some Lovin'" der Spencer Davis Group in dieser Nacht nicht unerhört bleiben. Dieses Konzert gewinnt recht bald etwas Klassisches – ohne jede Patina. Und es durchlebt einen seiner Höhepunkte im virtuosen Dialog von Orgel und E-Gitarre in "Voodoo Chile". Eine feinfühlige Referenz an den so früh Verstorbenen. Spätestens da dürfte Jimi Hendrix wieder aufgetaucht sein und diesem Song verzückt gelauscht haben. Mehr bedarf es wirklich nicht für diese Nacht.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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