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Bilder über Glück und Wahnsinn

VON KLAUS SEBASTIAN - zuletzt aktualisiert: 11.06.2011 - 02:30

In der Ausstellung "Human Frames" im Kunsttunnel am Mannesmannufer sind Videos zu sehen, in denen 77 internationale Künstler Gemütszustände wie Glück, Wahnsinn, Fanatismus oder Melancholie in Szene setzen. Es ist eine so reiche Schau, dass die Eintrittskarte für zwei Besuche gilt.

Eine Japanerin allein im Lift. Zwischen den Stockwerken nutzt die Frau die Übergangszeit für ein unbeobachtetes Tänzchen in der Enge der Fahrstuhlkabine. Der Film von Saki Satom erzählt in knapper Form vom Alleinsein in der Großstadt. Der "Isolation" und neun anderen "Seelenzuständen" widmen sich die Filme und Videos von 77 Künstlern aus Europa und Asien, die nun im Düsseldorfer Kunst-Tunnel (KIT) zu besichtigen sind.

Glück, Begehren, Wahnsinn, Fanatismus, Angst, Melancholie – wie kann man diese elementaren Gemütszustände in bewegten Bildern anschaulich machen – möglichst kurz, prägnant und eindrucksvoll? Die aus Frankreich, Deutschland, Österreich, China, Japan oder Indonesien stammenden Künstlern schöpfen dafür aus dem gesamten Spektrum der Möglichkeiten, die Videokunst und der Experimentalfilm bieten.

"Glück" – das kann eine schwingende Schaukel sein, die nicht auf dem Spielplatz, sondern in luftiger Höhe auf einem Berliner Balkon installiert ist. Glück kann auch bedeuten, in einem Dampfbad zu schwimmen – der Körper leicht, die harten Konturen der Umgebung aufgelöst in warmen Nebelschwaden.

Die "Human Frames" betitelte Schau verfolgt das anspruchsvolle Ziel, "das menschliche Dasein zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu zu beleuchten". Die Videos im KIT ("Kunst im Tunnel") laufen nicht nacheinander, sondern gleichzeitig zu allen Themenbereichen ab. Da ist Konzentration gefordert. Eine originelle Ausstellungsarchitektur (Trennwände, eine Rund-Bühne mit rotem Vorhang, ein kleines Lichtspielhaus aus Holz) soll dem Zuschauer dabei helfen, den "Tunnelblick" zu fokussieren. Unmöglich kann man sich alle Beiträge in einem "Besichtigungs-Parcours" zu Gemüt führen. Und deshalb gilt die Eintrittskarte zur Ausstellung gleich für zwei Besuche.

Mit etwas mehr Zeit lässt sich dann auch genauer prüfen, ob die teilnehmenden Filmemacher schon zu einer "universellen Bildsprache" gefunden haben. Immerhin kennt der Austausch von Bildern und Ideen im Internetzeitalter keine Grenzen mehr. Man merkt aber, dass sich nationale, kulturelle oder traditionelle Zugehörigkeiten nicht ganz verleugnen lassen. Einige aus Asien stammende Filmsequenzen belegen dies recht deutlich. In deren Bildwelten spürt man ein anderes Verhältnis zur Zeit, eine buddhistische Gelassenheit, einen Hang zum Geschehenlassen. So schwebt im Video "Peach Blossom" der Chinesin Quilin Chen eine junge Braut scheinbar unbeeindruckt durch die Trümmer einer verwüsteten Fabrikhalle. Gedreht wurde die poetische Bilderfolge in einem vom Erdbeben zerstörten Katastrophengebiet.

Ob man sich beim Besuch der Schau auf das Zusammenspiel der filmischen Werke einlässt oder sich lieber auf einzelne Videos konzentriert, mag jeder Besucher entscheiden. Wie die Angst, das Glück, das Begehren und andere seelische Befindlichkeiten in Erscheinung treten, das beleuchtet diese facettenreiche Ausstellung.

Quelle: RP


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