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Behinderte Frau in ihrer Wohnung erstochen

VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 12.07.2010 - 02:30

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln seit Samstagabend wegen eines Tötungsdelikts an der Erkrather Straße. Vermutlich bereits vor zehn Tagen, am 2. oder 3. Juli, wurde eine 52-jährige, leicht geistig behinderte Frau in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus getötet. "Als am Samstag dann übler Geruch aus der Wohnung drang, hat eine Nachbarin um 20.45 Uhr die Polizei gerufen", sagte gestern Rainer Zöllner, Leiter der umgehend gebildeten Mordkommission.

Ersten Erkenntnissen zufolge erlag die Frau den Folgen ihrer Stichverletzungen, jedoch habe es auch "Einwirkungen durch stumpfe Gewalt" gegeben, sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa. Letztmalig wurde das Opfer am Freitag, 2. Juli, in einem Supermarkt gesehen. Die ledige Frau galt als zurückgezogen und "misstrauisch": "Sie hat Nachbarn zufolge immer erst dann die Tür geöffnet, wenn sie wusste, wer davor stand", sagte Zöllner.

Opfer dürfte Täter gekannt haben

Spuren eines Einbruchs habe es nicht gegeben. Dementsprechend sei davon auszugehen, dass der oder die Täter aus dem Umfeld der Frau stammten, das Opfer sie also kannte. "Wir haben bis jetzt aber keine heiße Spur", sagte Kumpa. Denn genau dieses Umfeld scheint nach den bisherigen Ermittlungen mehr oder weniger nicht existent zu sein. "Wir haben bis jetzt weder Angehörige noch engere Bekannte ausmachen können", sagte Zöllner. Die Frau sei im frühen Kindesalter als uneheliches Kind in ein Heim gegeben worden. Auch gebe es "absolut keine Hinweise auf einen Lebenspartner", auch nicht auf ein sexuelles Motiv. Selbst der Kontakt mit Nachbarn habe sich auf Zufallsbegegnungen im Flur beschränkt.

Auffällig: In der Wohnung hätten "einige Gegenstände zum Abtransport bereitgelegen", sagte Zöllner. Um was es sich dabei handelte, wurde nicht bekanntgegeben. Es sei nicht auszuschließen, das manches bereits aus der Wohnung heraus transportiert worden sei. "Ebenso ist denkbar, dass der oder die Täter sich gestört fühlten und den Abtransport abbrachen", so der Leiter der Mordkommission.

Die Getötete lebte seit 1988 in ihrem kleinen Ein-Zimmer-Apartment in dem fünfstöckigen Haus mit 30 Parteien; das Wohnumfeld gilt als eher sozialschwach. Der Polizei zufolge lebte sie von staatlichen Leistungen, habe sich in der Vergangenheit aber auch gelegentlich als Putzhilfe etwas dazu verdient. "Das reichte offenbar aus, um sich hin und wieder Reisen in die USA und nach Asien leisten zu können", so Zöllner. Dies sei jedoch noch nicht abschließend gesichert.

Da die Frau bereits seit längerem tot war, war der Leichnam dementsprechend "postmortal verändert", so Zöllner. Die Identifizierungsmaßnahmen seien deswegen noch nicht abgeschlossen: "Es gibt aber keine berechtigten Zweifel an der Identität der Frau." Gegebenenfalls werde in den nächsten Tagen ein Lichtbild des Opfers veröffentlicht.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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