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Anja Silja: Sängerin ohne Mühe

zuletzt aktualisiert: 03.11.2010 - 02:30

Anja Silja ist eine Legende. Spektakulär früh gelang ihr der internationale Durchbruch mit gerade 20 Jahren, fortan galt sie als Inbegriff für das reformierte "Neu-Bayreuth". In der Rheinoper entwickelt die nun 70-jährige Silja als alte Priorin nach wie vor brennende Intensität und erschütternde Glaubwürdigkeit. In der Kantine zeigt sie am Morgen nach der zweiten Vorstellung keinerlei Anzeichen von Erschöpfung, sondern stattdessen vor allem eins: beste Laune.

Wie geht es Ihnen?

Anja Silja Danke, viel besser als nach der Premiere. Da hatte ich eine tückische Kehlkopfentzündung! Ich bin nur mit äußerster Konzentration auf die Technik durch die Premiere gekommen.

Das muss dann aber eine sehr solide Technik sein?

Silja Offenbar. Ich hatte ja nur einen Lehrer, meinen Großvater. Er hat mit mir angefangen, als ich sechs Jahre alt war. Ich war nur ein Jahr in der Schule, dann hat er mich rausgenommen.

So wie im Hause Mozart?

Silja Mein Großvater war sozusagen mein Leopold. Dabei war er eigentlich Portraitmaler von Beruf. Aber er hatte seine Stimme beim Lehrer von Benjamino Gigli ausbilden lassen.

Italienische Schule!?

Silja Ja. Aber ich kann Ihnen nicht genau sagen, wie ich das eigentlich mache mit dem Singen. Mein Großvater hat es mir eben sehr früh und ganz spielerisch beigebracht. Es ist mir einfach in Fleisch und Blut übergegangen, Singen war mir immer ganz natürlich, so wie Sprechen.

Können Sie sich denn an Ihre ersten Auftritte mit zehn Jahren erinnern? Waren Sie nervös?

Silja Nein, ich hatte nie Panik. Es war für mich ganz normal.

Dabei haben Sie gleich schwere Brocken gesungen?

Silja Das kann man sagen: "Tosca", "La Traviata", "Olympia", aber auch Lieder. Das lag mir. Kinder werden oft unterfordert. Aber auch junge Sänger.

Sie sind ja der Beweis, dass man schon mit 20 Wagner singen und mit 70 immer noch eine intakte Stimme besitzen kann.

Silja Ich habe auch viel Glück gehabt, denn ich hatte nie eine ernsthafte Krise! Das ist sehr selten. Mein Repertoire war letztlich sehr ausgewogen, nachdem ich anfangs ziemlich kreuz und quer durch die Fächer gesungen hatte.

Haben Sie ein Geheimrezept, wie Sie Ihre Stimme frisch erhalten?

Silja Ich habe nie Stimmübungen gemacht, Skalen gesungen oder so etwas. Ich bewege meine Stimme beim Rollenstudium, bei der Arbeit mit guten Regisseuren. Oper ist Theater! Deshalb geht der Gesang für mich vom Wort aus, vom Inhalt, vom Ausdruck. Das katapultiert die Stimme von allein an den richtigen Ort.

Was hat sich denn eigentlich geändert in der Oper seit den Zeiten Wieland Wagners, Ihres zweiten großen Mentors?

Silja Vieles! Das System ist kälter geworden. Lyrische Tenöre werden heute ins Heldenfach gepresst, das ist sehr bedenklich. Und bei den Regisseuren habe ich oft den Eindruck, dass sie nur optische Lösungen suchen und sich viel zu wenig um den Text kümmern.

Sie haben ein riesiges Repertoire. Welche Rollen sind Ihnen dabei die liebsten?

Silja Neben Wagner vor allem Janacek. Er ist so ehrlich.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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