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3D-Technik: Kinobetreiber zögern

VON RAFAEL BARTH - zuletzt aktualisiert: 29.12.2008

Der deutschlandweit erfolgreiche Film „Fly Me To The Moon“ bringt erstmals Erzählkino in 3D-Technik. In Düsseldorf ist er allerdings ausschließlich im Atelier zu sehen. Denn die teure Technik lohnt sich für die meisten Lichtspielhäuser nicht. Nur das UCI will umrüsten.

Der. Weg zum Mond ist frei. Ab sofort braucht man weder die Ausbildung zum Astronauten noch ein Vermögen, um zu dem leuchtenden Himmelskörper zu reisen. Taschengeld genügt. Und die Bereitschaft, neben sich drei wagemutige Fliegen zu ertragen. Sie heißen Nat, I.Q. und Scooter und sind die Helden des Trickfilms „Fly Me To The Moon”, der dank 3D-Technik das Abheben einfacher macht denn je.

Die einzigen, die am Boden bleiben, sind die Kinobetreiber. Denn so richtig in Fahrt kommt das Geschäft mit den dreidimensionalen Leinwand-Abenteuern noch nicht. Mit dem Atelier-Kino im Savoy-Theater gibt es in der Landeshauptstadt derzeit gerade mal ein Lichtspielhaus, dass 3D-Filme zeigt. Und auch hier führt man die Zuschauer mit 30- bis 40-minütigen Dokumentarfilmen wie „African Adventure” eher auf Versuchspfade als auf Blockbuster-Boulevards. „Der Zuspruch ist gut”, sagt Michael Tetsch, technischer Leiter des Atelier-Kinos. „Aber viele beklagen, dass die Filme so kurz sind.”

Tetsch und Kollegen haben zurzeit keine andere Wahl: Aufsehenerregende Streifen sind bislang die Ausnahme – so wie der Konzertmitschnitt von U2. Dank dreidimensionaler Optik fühlten sich die Kinogäste wie im Stadion, sahen Sänger Bono auf sich zurennen, und unzählige Arme Feuerzeuge schwenken. „Das war halt schon etwas anderes”, sagt Michael Tetsch. Etwas Beeindruckendes, gerade für Fans. Mit Achterbahnfahrten und Bergpanoramen ließen sich die Leute heute nicht mehr vom Fernseh- in den Kinosessel locken. „3D ist ein schöner Effekt, aber es muss auch die Ware da sein.”

Mit dem großen Wurf halten sich Filmemacher und Verleiher zurück. Das Atelier-Kino hatte schon Plakate aufgehängt, die die neue 3D-Version von der „Reise zum Mittelpunkt der Erde” ankündigten, da wurde der Filmstart ins kommende Frühjahr verschoben. Michael Tetsch hat mit solcherlei Vertröstungen schon Erfahrungen gemacht, deshalb nutzt er im Gespräch oft die Möglichkeitsform: „Ice Age 3” solle 2009 dreidimensional zu sehen sein, „Shrek” könnte anlaufen.

Der Grund für die zögerliche Haltung der Produzenten ist die Tatsache, dass es zu wenige 3D-Kinos gibt. Das Fachmagazin „c’t” listet in einer Tabelle nur 26 Säle in Deutschland auf. Die Kinobetreiber schrecken ob des bisherigen Filmangebotes davor zurück, das traditionelle 35mm-Format durch digitale Technik zu ersetzen oder um diese zu ergänzen.

„Noch sind die Kosten zu groß”, weiß Kinomann Tetsch. Zwischen 70 000 und 150 000 Euro müsse ein Betreiber für die digitale Umrüstung bezahlen. Gerade die größeren Kinos müssten mehr Geld einkalkulieren, wenn sie auch 3D-Filme zeigen wollten, denn deren Projektion verschlucke sehr viel Licht.

So hat man im UFA am Hauptbahnhof den Wechsel von der 35-mm-Technik auf digital auf unbestimmte Zeit verschoben, „weil wir abwarten, wie sich der Markt entwickelt“, sagt Stefanie Hildebrandt von der Presseabteilung. Jürgen Monetha, Chef des Düsseldorfer Cinestar, rechnet damit, dass das Unternehmen „im Rahmen der Digitalisierung“, die wahrscheinlich im nächsten Jahr ansteht, auch über 3D-Vorführungen nachdenkt – zurzeit werde deren Beliebtheit in Berlin getestet. Ganz konkrete Pläne hat hingegen Stephan Rottels, der das UCI im Medienhafen leitet: „Wir werden im Laufe des ersten Quartals 2009 einen weiteren Saal digitalisieren, wo dann auch 3D-Filme laufen.“

Dass das Atelier-Kino nun schon seit einem Jahr in der neuen Zeit angekommen ist und Filme auch dreidimensional projiziert, verdankt es einer Kooperation mit einer Düsseldorfer Kinotechnikfirma, die im Gegenzug den Saal an der Graf-Adolf-Straße für ihre geschäftlichen Präsentationen nutzt.

Sollten tatsächlich einmal auch Blockbuster nur noch in 3D angeboten werden, wären die Kinobetreiber gezwungen, in neue Technik zu investieren. Es könnte sich für die gebeutelte Branche lohnen: Dreidimensionales Heimkino gibt es noch nicht, und verbotene Mitschnitte im Kinosaal sind dann auch nicht mehr möglich.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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