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Gott Und Die Welt: Warum das Jahr 2013 eigentlich schon wieder vorbei ist

zuletzt aktualisiert: 05.01.2013

Bevor das neue Jahr begonnen hat, ist es schon wieder mit allerlei Terminen verplant. Muss das eigentlich so sein?

Etwas unerwartet fiel jetzt am Frühstückstisch die Frage aller Fragen: Und was nun? Damit war nichts Geringeres als das ach so neue Jahr gemeint, das gerade erst ein paar zaghafte Schritte unternommen hat. Doch im Grunde ist 2013 schon vorbei und abgehakt, wie uns der Wandkalender vor Augen führte.

Der ist nicht erst seit dem Neujahrstag in Gebrauch, sondern wird seit geraumer Zeit mit allerlei Unverschiebbarem und Denkwürdigem bedacht. Zuerst immer die Geburtstage. Dann die Jubiläen. Dann die Termine der Müllabfuhr. Es folgen diverse Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterfeste sowie Wein-, Garten- und Terrassenpartys. Die Urlaube selbstverständlich! Blumendienste bei den Nachbarn. Ein paar Dienstreisen noch und schließlich das obligate Dies und Das, wodurch sich plötzlich und unerwartet ein bedrohlich dichtes Netz von Verpflichtungen über das junge Jahr legte, bevor es überhaupt alt werden konnte. Nur die orthodoxen Optimisten unter uns dürften in dieser Lebensverplanung den Ausweis für ein formidabel ausgebautes soziales Netzwerk sehen.

Der Blick auf den Wandkalender ermutigte indes zu ganz anderer Expertise: Wir sind durch und durch verplante Lebewesen! Und dass es im nächsten Jahr anders wird, sagen wir nun auch schon seit ein paar Jahren. Mit unserem Wunsch nach notwendiger Entpflichtung hantieren wir nämlich immer so, als hätten wir noch wenigstens sieben Leben vor uns; wobei das schönste und beste Leben garantiert das nächste sein wird. Irgendwann jedenfalls.

Aber leben wir nicht auch jetzt schon? Gerade in diesem Augenblick und sogar an diesem Frühstückstisch? "Carpe diem" könnte als Leitwort ein gutes Gegengift sein. Nur habe ich die Erfahrung gemacht, dass mittlerweile jeder diese antike Sentenz geradewegs so übersetzt, wie er es will und braucht: "Pflücke den Tag", sagen poetisch die Versonnenen; auf "Nutze den Tag" verständigen sich die Sinnsucher und auf "Genieße den Tag" alle unbarmherzigen Hedonisten. Am dicht beschriebenen Wandkalender indes ändert sich nichts.

Aber wenn erst einmal die Kalendereinträge gelöscht, alle Verpflichtungen für überflüssig und auch sonstige Termine für null und nichtig erklärt wurden, wird endlich Ruhe sein hienieden, absolute Stille und absolute Ruhe. Im Grunde wie eine richtige Friedhofsruhe, lautete darauf der nur scheinbar lapidare wie auch finale Frühstückstisch-Kommentar. Dann fiel der Blick wieder auf den Kalender. Kann doch auch schön sein – Leute zu kennen und zu besuchen, gebraucht und erwartet zu werden, zu leben also.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

Quelle: RP


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