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Vor 60 Jahren: DDR gegründet

VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 07.10.2009 - 02:30

Düsseldorf. Heute vor 60 Jahren wurde auf dem Gebiet der sowjetisch besetzten Nachkriegszone und Ost-Berlins die DDR gegründet. Sie kollabierte im Herbst 1989 und erlosch nach 40 Jahren und 361 Tagen. Der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden, in dem am Ende 16 Millionen Menschen lebten, nannte sich zwar Deutsche Demokratische Republik, er war aber nicht demokratisch. Eine Clique vorwiegend mediokren Zuschnitts herrschte mittels Sozialistischer Einheitspartei Deutschlands (SED) sowie der Spitzelbehörde "Stasi" diktatorisch. Vier Jahrzehnte lang belog die DDR-Führung sich und ihre Bürger über den in Wahrheit nie gelungenen Aufbau eines sozialistischen "Paradieses der Arbeiter und Bauern".

Bezeichnenderweise gab es die erste freie Volkskammerwahl am 18. März 1990 – zu einem Zeitpunkt, als die Mauer durch Berlin gefallen, die Stasi-Zentrale vom Volk gestürmt war und die DDR ihrem Ende entgegentorkelte. Zum 3. Oktober traten die Länder auf dem Territorium der Verblichenen der Bundesrepublik Deutschland bei, auch die Teilung Berlins in Ost- und West-Sektor gab es nicht länger.

Die DDR war Teil des unter Führung der Sowjetunion stehenden kommunistischen Ostblocks. Sie existierte letztlich nicht aus eigenem Recht, vielmehr "beruhte ihre Macht auf sowjetischen Bajonetten" (Hans-Ulrich Wehler). Parteidiktatur, marxistische Ideologie, Plan- und Zentralwirtschaftwirtschaft führten die DDR schon früh ins politisch-ökonomische Abseits. Mangelwirtschaft, Schlangestehen vor Geschäften, verfallende Stadtkerne, Umweltschäden prägten das Bild des Unrechtsstaates, desgleichen die Furcht vor Bespitzelung, politischer Drangsalierung, Laufbahn-Behinderung bei politischer "Unzuverlässigkeit".

Ein erster Volksaufstand am 17. Juni 1953 wurde niedergeschlagen. Nachdem sich zunehmend gut ausgebildete Menschen Richtung Westen abgesetzt hatten, errichtete die SED-Führung unter Walter Ulbricht am 13. August 1961 eine Mauer mitten durch Berlin. An der Grenze zur Bundesrepublik wurden Stacheldraht, Selbstschussanlagen und Sicherheitsstreifen ausgebaut. Wer den "Todesstreifen" betrat und der Flucht verdächtigt wurde, wurde erschossen. 1347 Menschen sind an der Grenze umgekommen. Unter Ulbrichts Nachfolger Erich Honecker forcierte sich der ökonomische Abstieg; zugleich gab es diplomatische Annäherungen im Zuge der Ost-West-Entspannungspolitik.

Gegen West-Devisen gewährte Ost-Berlin menschliche Erleichterungen im innerdeutschen Reiseverkehr. 1973 wurden DDR und Bundesrepublik UN-Mitglieder. In den 80er Jahren war die DDR faktisch bankrott und bei der Bevölkerung endgültig diskreditiert. Zudem entzog ihr die reformorientierte Führung unter Michael Gorbatschow in Moskau Schutz und Schirm. Übermorgen vor 20 Jahren, als 70 000 Menschen in Leipzig friedlich für Freiheit und Demokratie auf die Straße gingen und die Machthaber entgegen mancher Befürchtung nicht schießen ließen, war das Ende des SED-Staates faktisch besiegelt.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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