Streitfall Gemeinschaftsschule Nur zwei Anträge fielen durch: Zum neuen Schuljahr sollen in NRW 17 Gemeinschaftsschulen starten.
VON FRANK VOLLMER - zuletzt aktualisiert: 01.02.2011 - 02:30Düsseldorf 17 Gemeinschaftsschulen sollen zum neuen Schuljahr in NRW ihren Betrieb aufnehmen. Das Schulministerium unter Sylvia Löhrmann (Grüne) hat bis auf zwei alle Anträge genehmigt – 19 lagen vor. In der Gemeinschaftsschule lernen die Kinder bis mindestens zur sechsten Klasse gemeinsam. Außerdem eröffnet jede Gemeinschaftsschule den Weg zum Abitur – über eine eigene Oberstufe oder über eine feste Kooperation mit einer bestehenden Oberstufe.
Bereits jetzt aber gibt es Ärger um mehrere Pionierschulen. Drei Beispiele:
Abgelehnte Anträge Zwei Anträge sind beim Ministerium durchgefallen – der aus Altenbeken bei Paderborn und der aus Köln-Bickendorf. Begründung: In Altenbeken sei die nötige Schülerzahl nicht gewährleistet, in Köln lägen die beiden geplanten Standorte zu weit auseinander. Zudem fühlte sich ein benachbartes Gymnasium bedroht. So quer wie in der gesamten Debatte (CDU-dominierte Kommunen hatten als erste Anträge auf Gemeinschaftsschulen gestellt) liegen auch in diesem Fall die Fronten: Die Begründung des grün geführten Schulministeriums sei "nicht wirklich nachvollziehbar", sagt Kölns Schuldezernentin Agnes Klein (SPD), zumal man sich vor dem Antrag intensiv mit der Bezirksregierung beraten habe. Außerdem seien alle der über 30 Kölner Gymnasien "mehr als nachgefragt". Kölns SPD-Chef Jochen Ott wirft Löhrmann sogar Politik gegen die Eltern vor.
Hauptschulen in Not Zehn der 17 Gemeinschaftsschulen sollen aus je einer bestehenden Hauptschule und einer Realschule entstehen, eine aus einer Verbundschule, wo bereits Haupt- und Realschulgänge unter einem Dach angeboten werden. Sechs sollen aus einem Hauptschulstandort hervorgehen. Daran entzündet sich Kritik des Philologenverbands, der "Etikettenschwindel" sieht und auf den Leitfaden "Auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule" des Ministeriums verweist, den Löhrmann selbst unterzeichnet hat. Darin heißt es: "Es ist davon abzuraten, eine Gemeinschaftsschule ausschließlich auf der Basis existenzgefährdeter Hauptschulstandorte zu bilden." Mit solchen "Umwidmungen" unterlaufe die Schulministerin ihre eigenen Standards, sagt Landeschef Peter Silbernagel. Das Ministerium hält dagegen: Es handele sich nicht bloß um eine "Umetikettierung". Eine Hauptschule schließe, eine neue Gemeinschaftsschule öffne. Der Leitfaden sehe auch Gründungen aus Hauptschulen vor.
Allerdings scheint man im Ministerium großzügig auszulegen: Im Fall der Gemeinschaftsschule in Köln-Buchheim sollte die bestehende Hauptschule zum Schuljahresende schließen. Auch dieser Antrag aber wurde genehmigt.
Nachbarn in Sorge Auch in unserer Region entsteht eine Gemeinschaftsschule – in Rheinberg, aus Haupt- und Realschule. Die Stadt will so ihr weiterführendes Schulangebot sichern. Die Nachbargemeinde Alpen fürchtet, das könnte auf ihre Kosten geschehen: "Das Schulsystem ist sehr fragil, besonders im ländlichen Raum", sagt Alpens Bürgermeister Thomas Ahls (CDU). Die vom Ministerium angemahnte Abstimmung mit der Nachbarkommune habe es nicht gegeben. Die Bezirksregierungen hätten alle Einwände gegen die Anträge sehr sorgfältig geprüft, erwidert das Ministerium.
In Alpen wartet man jetzt auf die Anmeldezahlen zur Rheinberger Gemeinschaftsschule. Mittelfristig, sagt Ahls, "könnte es knapp werden für unsere Haupt- und Realschule".
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