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Berlin: Stasi-Akten-Behörde "noch zehn Jahre nötig"

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 12.03.2011 - 02:30

Berlin (RP). Roland Jahn, 57, TV-Journalist, hat dem Ministerium für Staatssicherheit oft die Stirn geboten, als es die DDR noch gab und Jahn zu den Bürgerrechtlern gehörte. Am Montag tritt er die Nachfolge von Marianne Birthler als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen an und wird somit Chef auch seiner eigenen Akte. Er wird jederzeit nachlesen können, wie die Stasi-Spitzel auf sein provozierendes 1.-Mai-Plakat reagierten, auf das Jahn als Losung einfach nichts geschrieben hatte, wie er sich mit einer Stalin-Hitler-Maske neben SED-Funktionäre stellte, oder wie er verhaftet wurde, als er mit Fähnchen der Solidarnosc-Gewerkschaft durch Jena radelte.

Er kann es, aber er wird vermutlich keine Zeit dafür haben. Denn in der Behörde wartet viel Arbeit auf ihn. Weil der Bundestag Regelüberprüfungen im öffentlichen Dienst bis zum Jahr 2019 verlängert hat, dürfte die Behörde zumindest bis zu diesem Zeitpunkt selbstständig bleiben. Freilich könnte die Überprüfung auch vorher schon durch das Bundesarchiv vorgenommen werden, wohin nicht wenige Politiker quer durch alle Parteien die Akten überführen wollen, um dieses Kapitel der Nachwendezeit zu schließen. Freilich sind immer noch nicht alle Akten erschlossen. Immer wieder kann, soll und muss mit sensationellen Funden gerechnet werden. Wie etwa vor zwei Jahren, als herauskam, dass der Westberliner Polizist Karl-Heinz Kurras, der 1967 Benno Ohnesorg erschoss und damit die Studentenunruhen anheizte, für die Stasi arbeitete. 15 000 Säcke mit zerschnipseltem, vermutlich brisantem Inhalt sind noch nicht gesichtet, und wiederholt machen Stasi-Kontakte der Behördenmitarbeiter die Runde.

Wird Jahn der letzte Chef? Vorvorgänger Joachim Gauck hält die Institution angesichts von mehr als 87 000 neuen Anträgen auf Akteneinsicht weiter für nötig. "Wenn wir sehen, wie sich die Nostalgie breitmacht, kann es auch die Öffentlichkeit gebrauchen", sagte Gauck unserer Zeitung. Das "exakte Wissen über die DDR-Diktatur" sei unterentwickelt. Gauck glaubt deshalb, "dass wir die Behörde noch ungefähr zehn Jahre brauchen werden".

Quelle: RP


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