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  Gast

SPD feiert ihren Kandidaten

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 09.06.2010 - 02:30

Joachim Gauck ist ein gefragter Mann. Vor allem SPD- und Grünen-Politiker sonnen sich derzeit auffallend gerne im Glanz des geachteten Theologen und Ex-DDR-Bürgerrechtlers, den Rot-Grün überraschend zum Präsidentschaftskandidaten erkor und der seither dem schwarz-gelben Kandidaten Christian Wulff das Fürchten lehrt. Gauck versteht sich als "überparteilicher" Kandidat, weiß aber offenbar auch, wem er seine mediale Präsenz zu verdanken hat.

Gestern Abend nahm der 70-Jährige überraschend an der traditionellen Spargelfahrt des "Seeheimer Kreises" der SPD teil. Der Zusammenschluss konservativer Genossen lädt alljährlich zur Dampferfahrt mit frischem Spargel und kernigen Reden auf dem Berliner Wannsee ein. Gaucks Teilnahme hatten die Organisatoren wochenlang geheim gehalten, weil der Touristendampfer "MS Paloma" nur für rund 700 Gäste ausgelegt ist. Die Schiffstour gehört aber zu den beliebtesten politischen Veranstaltungen in Berlin und ist regelmäßig überbucht.

Hinzu kommt, dass ein weiterer prominenter Gast an Bord weilte: Gerhard Schröder. Der ehemalige SPD-Bundeskanzler hat sich weitgehend aus der Politik zurückgezogen und meidet Veranstaltungen. Doch die steigenden Umfragewerte für die SPD, der innerparteiliche Rückhalt für seinen einstigen politischen Ziehsohn aus Niedersachsen, SPD-Chef Sigmar Gabriel, und die Teilnahme Gaucks könnten Schröder dazu bewegt haben, dieses Jahr mitzufeiern. Im Übrigen waren es auch die pragmatischen Mitglieder des Seeheimer Kreises, auf die sich Schröder im Streit um die Agenda 2010 stets verlassen konnte.

Zentrales Thema auf der mehrstündigen Schiffsfahrt war denn auch die Gauck-Nominierung. In seiner kurzen Ansprache warb der frühere DDR-Regimegegner eindringlich für sein Lieblingsthema: die Freiheit. "Was als Leitstern immer über meinem Leben stand, das war die Freiheit." Gauck betonte erneut, dass er am liebsten von allen Parteien nominiert worden wäre. Aber das Angebot von SPD und Grünen nicht anzunehmen, wäre "kleinlich und kindisch" gewesen, so Gauck. Zum aktuellen Parteienstreit über das Sparpaket wollte er sich nicht äußern, warnte gar vor "Feindbeschimpfung". Die Bürger sehnten sich nach Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Nur einen kleinen parteipolitischen Hinweis erlaubte sich Gauck dann doch: Er dankte Altkanzler Schröder für den Mut, auch gegenüber dem eigenen Lager unbequeme Entscheidungen durchzusetzen. Aufgrund seines engen Terminplans musste Gauck kurz vor Ablegen des Schiffes die Seeheimer verlassen.

Internet Chronik der Suche nach einem Bundespräsidenten unter www.rp-online.de/politik

Quelle: Rheinische Post

 
 
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