Schwarz-Gelb streitet um sozialen Pflichtdienst
zuletzt aktualisiert: 27.08.2010 - 02:30Der Vorschlag des saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller (CDU), der in unserer Zeitung einen sozialen Pflichtdienst als Ersatz für einen möglicherweise wegfallenden Zivildienst gefordert hatte, stößt in der Koalition auf breite Kritik. Familienministerin Kristina Schröder lehnt ein Pflichtmodell genauso ab wie Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg. "Wir brauchen keinen Zwang", sagte FDP-Familienexpertin Miriam Gruß unserer Zeitung. Auch die familienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Dorothee Bär (CSU), erklärte, sie sei "grundsätzlich kritisch", zumal der Vorschlag des Pflichtmodells auch junge Frauen mit einschließe. Das sei "unzumutbar".
Die SPD lehnt den Vorschlag ebenfalls ab: "Wer einen Pflichtdienst fordert, muss auch sagen, wie er das rechtlich und finanziell umsetzen will", sagte die SPD-Vize-Chefin Manuela Schwesig unserer Zeitung. Sie kritisierte die Vorschläge als "populistische Forderungen von Landespolitikern, die noch nicht verstanden haben, dass ein Freiwilligendienst mehr bringt als eine Pflicht." Zwang sei sinnlos: "Wer will schon von jemandem gepflegt werden, der dazu gezwungen wird", sagte Schwesig.
Das Familienministerium hat unterdessen einen bundesweiten freiwilligen Zivildienst vorgeschlagen, um bestehende Strukturen zu erhalten. Der Koalitionspartner FDP lehnt das ab: "Die Gefahr unnötiger Doppelstrukturen", befürchtet Familienexpertin Gruß. Denn die Freiwilligendienste werden von den Ländern koordiniert, der Zivildienst vom Bund. Noch deutlicher wurden die Grünen: Die Doppelstrukturen seien "eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für das bisherige Zivildienst-Bundesamt", sagte Jugendexperte Kai Gehring.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.



