Sarkozy macht Ehe zur Staatsaffäre
VON KARIN FINKENZELLER - zuletzt aktualisiert: 08.04.2010 - 02:30Frankreichs Präsident greift zu scharfen Waffen, um die Berichterstattung über seine angebliche außereheliche Affäre zu ahnden. Der Inlandsgeheimdienst bestätigte unterdessen die Berichte, wonach er mit der Suche nach dem Urheber der Gerüchte beauftragt sei.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wagte sich Anfang der Woche aufs Land, wo er beim Besuch eines Bauernhofs sein zuletzt arg angekratztes Verhältnis zu den Landwirten etwas aufpolieren wollten. Eine riskante Reise, ist zu Hause in Paris doch nicht weniger als eine Verschwörung gegen ihn im Gange. So jedenfalls stellt es Präsidenten-Anwalt Thierry Metzer dar. Die Anfang März verbreiteten Gerüchte über eine Ehekrise im Hause Sarkozy hätten, so erklärte der Maître gestern, den Charakter einer Intrige mit dem Ziel, den Staatschef und seine Frau zu erschüttern. Der 1. April ist vorbei, deshalb ist der Sache nachzugehen.
Die Lage scheint immerhin so ernst zu sein, dass sogar Staatsanwaltschaft und Geheimdienst eingeschaltet sind und im Mutterland der Menschenrechtserklärung die Pressefreiheit in Frage gestellt wird. "Die Angst muss die Seiten wechseln", hatte Sarkozys Medienberater Pierre Charon am Freitag martialisch erklärt und mit Blick auf eine kurze Notiz über die angebliche Ehekrise auf der Internetseite der Zeitung "Le Journal du Dimanche" (JDD) in einem Interview angekündigt: "Wir machen aus dieser Schande einen Casus Belli. Wir ziehen diese Sache durch, damit so etwas nie wieder vorkommt." Anwalt Metzer vermutete gestern "persönliche Interessen oder finanzielle Interessen, was noch unmoralischer wäre".
Dass die Nachricht eines Bloggers kurz nach ihrem Erscheinen von der Seite gelöscht wurde und sich der Redaktionsleiter des JDD in einem Brief wortreich bei dem Präsidentenpaar entschuldigte, scheint den Elysée-Palast nicht zu besänftigen. Ebenso wenig die Entlassung zweier Mitarbeiter des Webdienstes. Dabei stand in dem Blog nur, was ohnehin als offenes Geheimnis galt. Während die französischen Medien darüber züchtig schwiegen und dafür gestern von Umweltminister Jean-Louis Borloo ein zweifelhaftes Lob erhielten, lohnte die Nachricht über außereheliche Techtelmechtel von Sarkozy und Carla Bruni im Ausland so manche Schlagzeile.
Nun hat das JDD, dessen Herausgeber Arnaud Lagardère ein mächtiger Industrieller und Freund Sarkozys ist, Anzeige gegen Unbekannt wegen Verbreitung falscher Nachrichten erstattet. Das JDD dürfe "wie auch jedes andere Medium weder vor den Wünschen der Macht einknicken noch Druck oder Drohungen nachgeben, wo auch immer sie herkommen", empören sich die redaktionellen Mitarbeiter der Zeitung in einer Erklärung.
Und noch eine andere muss sich wehren: Die bei Sarkozy in Ungnade gefallene und deshalb voriges Jahr ins Europaparlament abgeschobene Ex-Justizministerin Rachida Dati. Mehrere Medien hatten in den vergangenen Tagen unter Hinweis auf einen Untersuchungsbericht des eingeschalteten Inlandsgeheimdienstes berichtet, Sarkozy verdächtige seine aus der Regierung ausgemusterte Ex-Ministerin eines Rachefeldzugs. Gestern platzte ihr der Kragen: "Jetzt reicht es, das muss aufhören", sagte sie dem Sender RTL. Der Inlandsgeheimdienst bestätigte unterdessen die Berichte, wonach er mit der Suche nach dem Urheber der Gerüchte beauftragt sei. Dati sei aber nicht explizit verdächtigt worden.
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