Rürups neuer Job als Chefökonom
VON MARTIN KESSLER UND ALEXANDER VON GERSDORFF - zuletzt aktualisiert: 21.11.2008Berlin. In den Ranglisten der deutschen Top-Ökonomen ist Bert Rürup nicht zu finden. Trotzdem ist der scheidende Vorsitzende des Sachverständigenrats, der jetzt als Chefökonom zum Finanzdienstleister AWD wechselt, einer der mächtigsten Volkswirte des Landes. Der Finanzwissenschaftler, der mit 65 Jahren seinen Lehrstuhl an der Technischen Universität Darmstadt altersbedingt verlässt, ging seit gut anderthalb Jahrzehnten im Bundestag und in etlichen Ministerien als Berater ein und aus.
In seinem Spezialgebiet Rentenpolitik diente er sowohl Sozialminister Norbert Blüm (CDU) wie auch seinem Nachfolger Walter Riester (SPD) als wichtigster Ratgeber. Er war von 1992 bis 2002 Vorsitzender der Enquete-Kommission „Demografischer Wandel“ des Bundestags, führte den Sozialbeirat für die Rentenversicherung und leitete etliche Regierungskommissionen zur Sozialpolitik, einer gab er sogar seinen Namen.
Vielen Deutschen dürfte er durch die Rürup-Rente bekannt sein. Die steuerlich geförderte Rente für Selbstständige bildet zusammen mit der Riester-Rente eine der beiden Säulen der Eigenvorsorge in der Alterssicherung. Kein Wunder, dass ihn manche als deutschen „Renten-Papst“ bezeichneten. Eine Auszeichnung, die er gerne hörte.
Seine Kenntnisse in der Rentenpolitik machten ihn mehr und mehr zum Allround-Ökonomen der Bundesregierung. So leitet er seit 2005 den Rat der fünf Wirtschaftsweisen, nachdem der bisherige Chef Wolfgang Wiegard nach einem internen Richtungsstreit den Vorsitz aufgegeben hatte. Diesen Posten will er Ende Februar vorzeitig aufgeben. Ausgerechnet der Vertreter der Gewerkschaften im Rat, Peter Bofinger, bedauerte das Ausscheiden. Er sei ein „exzellenter Vorsitzender“ gewesen, sagte Bofinger unserer Zeitung. „Er hat im Rat sehr integrierend gewirkt und inhaltlich die richtigen Schwerpunkte gesetzt.“
Sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein („Altersvorsorge kann ich ziemlich gut“) und seine ständige Präsenz auf vielen gesellschaftlichen und politischen Veranstaltungen in Berlin und anderen Großstädten machten ihn zur öffentlichen Person, die auch Kritik auf sich zog. Viele Politiker störte es, dass Rürup sich für fast alle ökonomischen und bisweilen auch politischen Fragen zuständig hielt. Als er einmal der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel in ihrer Zeit als Oppositionsführerin einen Vortrag über politische Strategie hielt, unterbrach ihn die Christdemokratin barsch: „Dieses Feld beherrsche ich selbst gut genug.“
In seiner neuen Rolle soll Rürup dank seiner vielen internationalen Kontakte den Finanzdienstleister AWD bei dessen Expansionsplänen ins Ausland unterstützen. Sein Vertrag läuft über drei Jahre, sichert ihm ein Grundgehalt und leistungsabhängige Bonuszahlungen. Über deren Höhe wollte sein neuer Arbeitgeber nichts sagen.
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