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Rente ab 70

VON GREGOR MAYNTZ UND EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 29.01.2011 - 02:30

Immer mehr Länder in Europa schaffen Gesetze für ein späteres Renteneintrittsalter. Dänemark diskutiert die Rente mit 74. Auch in Deutschland wird die Rente ab 67 dauerhaft wohl nicht reichen.

Berlin Die Menschen in ganz Europa müssen sich darauf einstellen, deutlich länger zu arbeiten als noch ihre Mütter und Väter. Am radikalsten in Europa gehen zurzeit die Dänen vor. Die aktuelle Anhebung des Renteneintrittsalters von derzeit 65 auf 67 Jahre ist nur ein erster Schritt. Die heute 30-jährigen Dänen sollen bis Mitte 70 erwerbstätig bleiben. "Es geht um das Überleben der dänischen Wirtschaft", kommentierte Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen sein Reformvorhaben.

Bewegung gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Die Griechen haben unter dem Druck ihrer Schuldenkrise im vergangenen Jahr das durchschnittliche Renteneintrittsalter von 61 auf 65 Jahre erhöht. In Spanien, wo der Staatshaushalt ebenfalls unter erheblichem Druck steht, hat sich die Regierung in dieser Woche mit den Gewerkschaften auf eine Erhöhung des Renteneintrittsalters geeinigt. Wie in Deutschland soll der offizielle Beginn des Ruhestands von derzeit 65 auf dann 67 Jahre steigen.

Deutschland zählt in Sachen Rentenpolitik in Europa zu den Musterknaben. Bereits 2007 hat die große Koalition eine schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenbeginns von derzeit 65 auf 67 Jahre beschlossen. Ab dem kommenden Jahr wird die Altersgrenze zunächst um einen Monat pro Jahr und ab 2024 um zwei Monate pro Jahr angehoben. Arbeitnehmer der Jahrgänge ab 1964 werden damit erst mit 67 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen können.

Während die Gewerkschaften, die Sozialverbände und teilweise auch SPD-, Grünen- und Linken-Politiker die aktuelle Regelung als unsozial kritisieren, mahnen eine Reihe von Experten, dass auch der Rentenstart mit 67 auf Dauer nicht ausreicht, das System stabil zu halten. Die Volkswirte der Bundesbank sind der Ansicht, dass an der Rente mit 69 kein Weg vorbeiführe. Der Ökonom Bernd Raffelhüschen sieht das Ende der Fahnenstange ebenfalls noch nicht erreicht. Über den Vorschlag der Bundesbank müsse ernsthaft diskutiert werden, sagt er.

In der Politik mag kaum einer die Debatte um eine weitere Anhebung der Lebensarbeitszeit führen. Lediglich der Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder, traut sich: "Ich glaube, die Jahrgänge ab 1975 werden sich auf die Rente mit 70 einstellen müssen", sagte Mißfelder unserer Zeitung. Deutlich zurückhaltender zeigt sich der Chef der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen, Sven Volmering: "Ich bin für eine konsequente Umsetzung der Rente mit 67. Als weiterer Schritt sollte es ermöglicht werden, dass auf freiwilliger Basis auch länger gearbeitet werden kann", sagte er.

"Die Debatte sollte man der nächsten Generation überlassen", meint Peter Weiß (CDU), Chef des Arbeitnehmerflügels in der Unionsfraktion. Er sei dagegen, jetzt eine Debatte über ein noch höheres Renteneintrittsalter zu führen und damit die Menschen zu verunsichern. Weiß ist zudem überzeugt, dass sich die Entwicklung in der Rentenversicherung nicht länger als 30 Jahre im Voraus berechnen lasse. "Es könnte ja auch sein", sagt er, "dass die Generation der heute 0- bis 20-Jährigen wieder mehr Kinder bekommt." Dann ändere sich die Lage für die Rentenversicherung wieder.

In der EU wird das Rentenalter weiter für Diskussionsstoff sorgen. Der EU-Parlamentarier und FDP-Vorstand, Alexander Graf Lambsdorff, ist aber der Ansicht, dass die Staaten dieses Problem selbstständig lösen müssen: "Die EU sollte Sozialstandards in Europa nicht festlegen", sagte er unserer Zeitung. Dennoch habe die Euro-Krise gezeigt, dass eine gewisse Übereinstimmung zwischen den Staaten der Eurozone geboten sei.

Quelle: RP


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