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Politisch Inkorrekt: Plädoyer für einen ganz besonderen Tag

zuletzt aktualisiert: 21.12.2012

Weihnachten verliert für immer mehr Menschen seinen Zauber. Aber wir tun uns alle keinen Gefallen damit, aus dem Fest der Geburt Christi einen belanglosen Vergnügungstag zu machen.

Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht... Schön wäre es. Leider sieht das Programm für manchen Zeitgenossen am nächsten Montag anders aus. Im Kulturbahnhof Bochum-Langendreer laden DJs unter dem Motto "Holy Shit!" zur Elektro-Party ein. Eine "Erotikdiskothek" in Solingen begrüßt ab 21 Uhr Gäste zur Swingerparty. Und im Fernsehen zeigt Kabel Eins den schönen Film "Das Schweigen der Lämmer" über einen Serienmörder, der seine Opfer häutet, um sich Kleidung daraus zu nähen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Dies ist ein freies Land. Wer sich am Heiligen Abend in einer Kneipe den Kopf zuschütten will, darf das. Doch es lohnt schon, darüber nachzudenken, weshalb es vielen Menschen schwer fällt, wenigstens an zwei, drei Tagen im Jahr innezuhalten, Ruhe zu genießen und auf gewohnte Vergnügungen zu verzichten.

Vor vielen Jahren hatte ich eine Freundin, die mir der geneigte Leser kaum zutrauen würde. Sie stand politisch weit links, verabscheute jede Art von Kommerz und glaubte selbstverständlich nicht, dass es einen Gott gibt. Und dennoch spürte sie, dass am 24. Dezember etwas anders ist. Nie schlug sie vor, wenn ich abends aus der Christmette kam, noch irgendwo in die Kneipe zu gehen. Irgendwie war sie, obwohl nicht gläubig, tief berührt von diesem Tag, mit dem sie rational nichts anfangen konnte.

Und Sie alle kennen die Geschichte vom 24. Dezember 1914, als sich während des Ersten Weltkriegs in Flandern Deutsche und Briten in erbitterten Kämpfen gegenüberstanden. Ohne Genehmigung ihrer Armeeführung verständigten sich Soldaten und dann auch Offiziere am Weihnachtsabend auf einen Waffenstillstand. Soldaten standen an der Front in Gruppen zusammen, rauchten, sprachen miteinander so weit möglich, zeigten sich Fotos ihrer Familien. Captain C. I. Stockwell von den Royal Welsh Fusiliers notierte im Bataillonsbuch, dass plötzlich sächsische Soldaten mit zwei Fässern Bier erschienen und riefen: "Don't shoot. We don't want to fight today. We will send you some beer." Da standen Deutsche und Briten zusammen, wünschten sich frohe Weihnachten und gingen dann zurück in ihre Kampfstände. Ab dem 26. Dezember wurde wieder Krieg geführt. Der Heilige Abend ist etwas Besonderes, nicht nur für uns Deutsche, sondern für die ganze Welt. Mehrere Hundert Millionen Menschen werden rund um den Globus Gottesdienste besuchen. Sie werden mit ihren Familien zusammensitzen, bei Kerzenlicht. In vielen Häusern wird gesungen oder die Geschichte von der Geburt Jesu Christi vorgelesen. Lassen wir uns diesen Tag nicht mies machen. Und nehmen wir ihm nicht seine Würde. Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachtstage!

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

Quelle: RP
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