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Nationale Eitelkeit blockiert Tsunami-Warnsystem in EU

zuletzt aktualisiert: 09.04.2011 - 02:30

Wien (RP) Führende Geowissenschaftler haben in Wien über die Folgen der Tsunami-Katastrophe in Japan diskutiert. Bei der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union ging es unter anderem um ein länderübergreifendes Frühwarnsystem für Riesenwellen im Mittelmeer und Nordatlantik. Nach einem Bericht des Internet-Portals "Spiegel-Online" sind alle ambitionierten Pläne für die Einführung eines solchen Systems noch in diesem Jahr an einem Streit zwischen Ländern und Organisationen gescheitert.

Die Unesco hatte ein Jahr nach dem verheerenden Tsunami in Südasien 2004 im Auftrag der Vereinten Nationen zunächst eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich der Problematik annehmen sollte. Allerdings konnte die Gruppe dem Bericht zufolge bei zahlreichen Sitzungen ein zentrales Problem nicht aus dem Weg räumen: Die betroffenen Staaten Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland sind uneinig, wer bei dem Warnsystem die Federführung übernehmen soll. Denn das Projekt sieht vor, dass von einem zentralen internationalen Warnzentrum im Falle eines Tsunamis eine Meldung an die zuständigen Behörden der Einzelstaaten herausgegeben wird. Auch der Vorschlag, eine neutrale Organisation – in diesem Fall die EU – solle das Warnzentrum leiten, scheiterte. Laut "Spiegel-Online" habe die Unesco Bedenken angesichts des drohenden Einflussverlustes angemeldet. Zusätzlich gibt es Probleme bei der Finanzierung: 100 Milionen Euro würde ein System für das Mittelmeer kosten – die EU hat in den letzten 20 Jahren allerdings gerade acht Millionen Euro für Tsunami-Forschung zur Verfügung gestellt.

Abhilfe könnte nun ein Land schaffen, das gar nicht in den betroffenen Regionen liegt: Deutschland. Das Geoforschungszentrum in Potsdam, das bereits beim Tsunami-Frühwarnsystem für Indonesien mitarbeitete, hat seine Hilfe angeboten, um gemeinsam mit den Anrainern ein softwarebasiertes Warnsystem zu erstellen.

Quelle: RP


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