Nach dem Duell nur wenig "Dreikampf"
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009 - 02:30Berlin. Sie nennen es "Dreikampf", aber stellen die drei "Kämpfer" nicht gegen- sondern einträchtig nebeneinander. Sie gehen ins alte Berliner E-Werk, aber schließen sämtliche Spannung aus, indem sie statt Zuschauer-Echo nur den Hall der leeren Halle zulassen. Und dann konfrontieren sie die drei Spitzenkandidaten der Oppositionsparteien auch nicht direkt mit ihrem Lieblingsgegner, der Regierung, sondern greifen indirekt auf Zitate aus dem Duell vom Vorabend zurück. Das Resultat des TV-"Dreikampfes" war gestern Abend denn auch entsprechend: überwiegend eine Aneinanderreihung von Auszügen dreier Wahlkampfreden. O-Ton Oskar Lafontaine: "Ich sage immer..." Wahlkampf zum Abschalten.
Zwar hat FDP-Spitzenkandidat Guido Westerwelle nach den Umfragen alle Chance "Deutschland mit zu regieren", wie er sagte. Zwar haben sowohl Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin als auch sein Linken-Pendant Lafontaine selbst schon Regierungserfahrung unter Rot-Grün. Aber die drei miteinander sprechen zu lassen, ist ungefähr so spannend wie ein Krimi ohne Täter und Kommissar.
Gleich zu Beginn große Einigkeit: Als Folge aus dem Mord neben der S-Bahn müsse mehr Polizei her. Und auch eine flächendeckende Video-Überwachung mag den Oppositionellen nicht so recht schmecken. Kein Problem mit inhaltlicher Harmonie haben die drei auch beim Thema Schonvermögen: Das muss höher werden. Oder Rente mit 67: Die muss flexibler werden. Und ein Ziel eint alle drei Diskutanten sowieso: keine neue große Koalition.
Doch hier ging es zügig zur Lagerbildung über. Denn Lafontaine und Trittin wollen in erster Linie "Schwarz-Gelb" verhindern, Westerwelle dagegen alles tun, damit Grüne und Linke mit der SPD nicht regieren können. So ging es denn lebendiger als am Vorabend durch viele Themen weiter: Westerwelle gegen Trittin und Lafontaine. Also insgesamt doch eher "Duell".
Managergehälter? Trittin und Lafontaine wollten eine klare gesetzliche Begrenzung, Westerwelle mahnte zur Vorsicht bei Eingriffen ins private Wirtschaften.
Mindestlöhne? Trittin nannte 7,50 Euro pro Stunde, Lafontaine gleich zehn. Westerwelle sagte Nein und verwies auf Mindestlöhne, die in Frankreich zu hoher Jugendarbeitslosigkeit geführt hätten.
Steuern? Trittin und Lafontaine waren für höhere Spitzensteuersätze, Westerwelle dagegen für spürbare Senkungen. Sein meistgebrauchtes Wort: Mittelstand.
Zum Regieren zeigten sich alle drei geneigt, auch wenn Lafontaine darauf verwies, dass alle anderen mit ihm nicht wollten. Aber Politik in der Regierung verändern, das würde er dann doch schon gerne. So wie Trittin. So wie Westerwelle.
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