Missbrauchsfälle – CSU rügt Kirche
zuletzt aktualisiert: 12.03.2010 - 02:30münchen/Berlin (RP) Die CSU hat die katholische Kirche dazu aufgerufen, in Missbrauchsfällen künftig die Meldepflichten konsequent einzuhalten. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle sagte der "Passauer Neuen Presse", in der Vergangenheit sei die Vorschrift der Schulaufsicht, Straftatbestände sofort zu melden, "bewusst" unterlaufen worden. Justizministerin Beate Merk forderte im "Bayernkurier" die Kirche auf, bei Missbrauchsfällen sofort die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Der CSU-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Georg Schmid, betonte, nur die Staatsanwaltschaften hätten zu entscheiden, ob es einen begründeten Verdacht gebe oder nicht.
Ein Versuch des Bundesjustizministeriums, die Verstimmung zwischen Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und der katholischen Kirche im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen beizulegen, hat zu neuer Verärgerung geführt. Justiz-Staatssekretär Max Stadler (FDP) hatte für den 25. März ein Gespräch zwischen der Ministerin und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, angekündigt. Von der Einladung habe die Bischofskonferenz nur über die Medien erfahren, hieß es. Zollitsch sei an dem Tag ohnehin verhindert. Stadler erklärte inzwischen, der Gesprächstermin sei nur angedacht. Zollitsch wird heute mit Papst Benedikt XVI. über die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen sprechen.
Der Missbrauchsskandal an der reformpädagogischen Odenwaldschule zieht immer weitere Kreise. Wie Schulleiterin Margarita Kaufmann im südhessischen Ober-Hambach berichtete, hat sich die Zahl der beschuldigten Lehrer seit Wochenbeginn von drei auf acht erhöht. Mittlerweile hätten sich 33 Missbrauchsopfer bei der Schule gemeldet, rund 40 Prozent davon ehemalige Schülerinnen. "Wir sind beschämt, was in unserer Schule jungen Menschen angetan worden ist", sagte Kaufmann unter Tränen: "Die Odenwaldschule hat große Schuld auf sich geladen, und nichts wird diese Schuld von ihr nehmen."
Auch bei den Wiener Sängerknaben soll es laut einem Pressebericht in den zurückliegenden Jahren zu sexuellen Übergriffen und Gewalt gegen Chormitglieder gekommen sein. Die österreichische Tageszeitung "Standard" berichtet von entsprechenden Vorwürfen zweier Ex-Sängerknaben aus Deutschland. Die Chorleitung äußerte sich nicht konkret zu den Vorwürfen, kündigte aber eine Prüfung der betreffenden Akten im Archiv an.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



