Mindestens 61 Tote nach Selbstmordanschlag im Irak
zuletzt aktualisiert: 18.08.2010 - 02:30Bagdad (RP) Ein Selbstmordanschlag auf irakische Rekruten hat mindestens 61 Menschen das Leben gekostet. Weitere 125 erlitten Verletzungen. Es handelt sich damit um den blutigsten Anschlag in diesem Jahr. Der Attentäter sprengte sich mitten in einer großen Gruppe von Rekruten im Zentrum von Bagdad in die Luft. Die Männer hatten sich vor dem früheren Verteidigungsministerium versammelt, das nun das Hauptquartier der elften Division ist, um sich dort zu bewerben. Der Anschlagsort wurde sofort von Sicherheitskräften abgeriegelt.
Ein Augenzeuge sagte, er habe seit 4 Uhr früh mit rund 1000 weiteren Männern gewartet und den Attentäter gesehen. Er beschrieb ihn als blonden jungen Mann, der zunächst still dagesessen habe. Dann sei er zu einem Soldaten hinübergegangen und habe seinen Sprengsatz gezündet. Ein Militärsprecher bestätigte die Darstellung. An dem Anschlag sei ein Selbstmordattentäter mit einer Sprengstoffweste beteiligt gewesen. Das Militär vermutet die Terrorgruppe al Qaida hinter dem Anschlag.
Die irakischen Streitkräfte suchen derzeit weiter nach neuen Soldaten, um sich auf den bevorstehenden Abzug der US-Truppen vorzubereiten. Bis Ende August werden bis auf 50 000 US-Soldaten alle anderen den Irak nach sieben Jahren Krieg verlassen haben. Die verbleibenden US-Truppen werden stark eingeschränkte Aufgaben im Land übernehmen, etwa um für Sicherheit bei zivilen Projekten zu sorgen, Anti-Terror-Einsätze zu leiten und einheimische Sicherheitskräfte auszubilden. Sie werden bis Ende des kommenden Jahres im Irak bleiben.
Angesichts der sich verschärfenden Sicherheitslage haben irakische Militärs einen Aufschub des Abzugs ins Gespräch gebracht: Militärchef General Babaker Schaukat Sebari wies vorige Woche erneut warnend darauf hin, dass seine Streitkräfte vielleicht nicht vor 2020 verteidigungsbereit seien. US-Präsident Barack Obama verurteilte gestern zwar den Anschlag, erteilte einer Verschiebung des Abzugs aber dennoch eine Absage.
Die Aufständischen haben ihre Anschläge in den vergangenen Wochen verstärkt. Am 7. August waren in Basra 43 Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden.
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