Militärs in Ägypten wollen Islamisten kontrollieren
VON MATTHIAS BEERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.12.2011 - 02:30Kairo/Düsseldorf In Ägypten sucht das regierende Militär nach Mitteln, um die sich abzeichnende Zweidrittelmehrheit der islamistischen Parteien im Parlament politisch zu neutralisieren. So soll in der kommenden Woche "ein beratendes Gremium" ernannt werden, das die Ausarbeitung einer neuen Verfassung "anleiten" werde, kündigte ein Mitglied des Militärrats an. Ziel sei es zu gewährleisten, dass die neue Verfassung das gesamte politische Spektrum repräsentiere und den Einfluss religiöser Extremisten beschränke.
Hintergrund des Vorstoßes sind offenbar die letzten Ergebnisse der Stimmenauszählung bei der derzeit laufenden Parlamentswahl. Demnach ist es den Muslimbrüdern gelungen, ihren bereits komfortablen Vorsprung aus der ersten Runde weiter auszubauen. Auch die Salafisten konnten weitere Sitze hinzugewinnen. Die Wahl in Ägypten findet in drei Phasen statt, die sich über mehrere Wochen erstrecken. Das Endergebnis wird für den 13. Januar erwartet.
Nach den bisher durchgesickerten Ergebnissen hat die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der gut organisierten Muslim-Bruderschaft rund 37 Prozent der Stimmen eingefahren. Ein Ergebnis, das in dieser Größenordnung durchaus erwartet wurde. Überrascht hat dagegen der Triumph der mutmaßlich von Saudi-Arabien finanzierten Salafisten. Nahezu ein Viertel der Wähler stimmte für deren erst vor kurzem gegründeter Partei Al Nur ("Das Licht").
Das hat besonders unter den ägyptischen Christen Besorgnis ausgelöst. Salafisten gelten als die Drahtzieher von Übergriffen gegen die Kopten in den letzten Monaten. Das Oberhaupt der Kopten in Deutschland, Bischof Anba Damian, beklagte gestern eine "Atmosphäre des Hasses und der Propaganda" gegenüber den Kopten.
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