Düsseldorf: "Mehr Hilfen für behinderte Schüler"
VON DETLEV HÜWEL UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 01.09.2011 - 02:30Düsseldorf (RP). In NRW sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) noch große finanzielle Anstrengungen nötig, um den gemeinsamen Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung (Inklusion) auszubauen. Die Integrationsquote in den Grundschulen liegt derzeit bei 25 Prozent, bei den weiterführenden Schulen dagegen bei nur elf Prozent.
Das Ziel, innerhalb von zehn Jahren etwa 85 Prozent der Betroffenen inklusiven Unterricht anbieten zu können, sei zwar ehrgeizig, aber zu schaffen, sagte die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer im Gespräch mit unserer Zeitung. Voraussetzung sei allerdings, dass es zusätzliches Lehrpersonal gebe, denn inklusiver Unterricht bedinge zumeist eine Doppelbesetzung mit einer Regelschullehrkraft und einem Sonderpädagogen. Dieses Team plane den Unterricht gemeinsam und entwickle Förderkonzepte, die auf die Bedürfnisse der Schüler zugeschnitten sind. Das Land habe zwar inzwischen 400 Stellen geschaffen, aber nötig seien mindestens 2000 zusätzliche Kräfte. Außerdem müssten die Klassen deutlich kleiner werden. Die Obergrenze solle bei 20 Schülern liegen, darunter fünf mit Behinderungen.
Scharf kritisierte Schäfer den bisherigen Umfang der Lehrerfortbildung zum Thema Inklusion: "Ein Fortbildungstag im Jahr reicht dafür absolut nicht aus." Da sich das Land für die Inklusion entschieden habe, müsse es nun auch für eine umfassende Schulung der Lehrkräfte sorgen. Andere Länder wie Bremen und Schleswig-Holstein seien beim inklusiven Unterricht schon viel weiter, so die GEW-Vorsitzende.
Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern in einer Lerngruppe bedeute im Übrigen nicht zwangsläufig, alle zum selben Abschluss führen zu wollen. Je nach Art der Behinderung könne auch "zieldifferent" unterrichtet werden. So sei für manchen behinderten Jugendlichen die Aussicht auf einen Hauptschulabschluss schon eine vielversprechende Perspektive.
Nach Einschätzung von Schäfer wird es auch künftig Förderschulen für schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche sowie für spezielle Förderschwerpunkte geben, weil manche Eltern dies ausdrücklich wünschten. Diesem Elternwahlrecht müsse das Land entsprechen.
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