Luxusleben in der Hauptstadt der Piraten
VON ALEXEI MAKARTSEV - zuletzt aktualisiert: 21.11.2008Mogadischu. Eyl ist ein staubiger kleiner Ort mit 19 000 Einwohnern in der halbautonomen Region Puntland. Der totale Zerfall jeglicher staatlicher Ordnung in Somalia hat ein Machtvakuum geschaffen, in dem sich der kleine Hafen zur „Piratenhauptstadt der Welt“ entwickeln konnte. Etwa ein Dutzend von Piraten gekaperter Handelsschiffe mit Hunderten Geiseln an Bord sollen vor Eyl ankern.
Wenn die jungen Bewacher der gekaperten Schiffe mit ihren Kalaschnikows an Land gehen, dann ist in Eyl oft eine rauschende Party angesagt. Nicht viel anders geht es in dem Dorf Haradhere zu, auch hier halten die Freibeuter die örtliche Wirtschaft in Schwung. Vor Haradhere ankert das größte der derzeit etwa 35 entführten Schiffe – der Supertanker „Sirius Star“.
Besorgniserregend findet der britische Außenminister David Miliband diese Situation. Sie stelle eine „ernste Gefahr für die Stabilität in der Region“ dar. Als alte Seefahrernation nehmen die Briten das PiraterieProblem sehr ernst. Zudem hat das Inselkönigreich eine besondere Beziehung zu Somalia, das einst ein Protektorat des Empire war. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die britischen Medien ihre Reporter nach Puntland schickten.
Während ihr Land in Trümmern liege, führten die Piraten in Eyl ein „süßes Leben“, schreibt der Korrespondent des „Guardian“. Neue Hotels für Piraten, neue Tankstellen für deren Schnellboote und sogar neue Restaurants mit europäischer Küche für die Geiseln, die die afrikanische Küche nicht gewohnt sind – all das soll es in Eyl geben.
Smarte Typen in Anzügen und mit Laptop fahren in teuren Geländewagen im Hafen vor. „Einer gab sich als Piraten-Buchhalter aus, ein anderer als Leiter des Lösegeld-Teams“, berichtet eine BBC-Reporterin. Die Lösegelder betragen zwischen 300 000 und 1,5 Millionen Dollar. Wenn das Geld eintrifft, werfen es die Piraten angeblich zum Fenster hinaus – zur Freude der örtlichen Restaurantbesitzer.
In Eyl gebe es niemanden, der den Seeräubern Paroli bieten könne, berichten die Reporter. Denn die Behörden kassierten mit. Der Piratenberuf sei so attraktiv geworden, dass viele Kinder nicht mehr in die Schulen gehen, weil sie es für Zeitverschwendung halten.
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