Kraft: Chemie im Team stimmt
VON DETLEV HÜWEL UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 16.07.2010 - 02:30"Ich habe gut geschlafen und bin ausgeruht für meinen ersten Arbeitstag." Mit diesen Worten stellte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der Presse gestern Morgen ihr Kabinett vor, dem fünf Ministerinnen und sechs Minister angehören. Mit ihr selbst sind die Geschlechter also "paritätisch" am Kabinettstisch vertreten, wie sie stolz verkündete.
Obwohl sie ihre künftigen Minister zu eisernem Schweigen ermahnt hatte, waren in den letzten Tagen die meisten Namen schon durchgesickert.
Zuletzt hatte sich auch abgezeichnet, dass Svenja Schulze (SPD) Wissenschaftsministerin werden soll. Die 41-jährige gebürtige Düsseldorferin, die bis 1996 Germanistik studiert hat, gelangte 1997 erstmals in den Landtag, dem sie bis 2000 angehörte. Nach einer Tätigkeit als Unternehmensberaterin folgte 2004 der Wiedereinzug ins Parlament. Sie will jetzt dafür sorgen, dass in NRW mehr Menschen studieren und dass "das mit der Abschreckung aufhört". Gemeint sind die Studiengebühren.
Eine echte Überraschung war hingegen die Berufung von Angelica Schwall-Düren zur neuen Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien. Die 1948 in Offenburg geborene promovierte Historikerin war lange Zeit Lehrerin in Ahaus und Gronau. Seit 1994 gehört die SPD-Politikerin dem Bundestag an. Seit 2002 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion. Für ihr neues Ministeramt hat Schwall-Düren bereits ihr Mandat niedergelegt, wie sie gestern mitteilte. Sie wolle nun dabei mithelfen, ein "soziales Europa zu bauen", sagte sie.
Der neue Justizminister, Thomas Kutschaty (SPD), hatte die Lacher auf seiner Seite, als er versicherte, darauf zu achten, dass sein Haus nicht mehr solche Schlagzeilen produziert wie in den vergangenen Jahren. Das war eine Anspielung auf eine Serie von Pech und Pannen zu Zeiten seiner Vorgängerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU).
Norbert Walter-Borjans (SPD), bislang Dezernent für Wirtschaft und Finanzen in Köln und neuer Finanzminister des Landes, findet seine neue Aufgabe "deshalb so spannend, weil wir eine Quadratur des Kreises hinkriegen müssen". Zum einen müsse das Land seine Aufgaben in sozialer Verantwortung erfüllen, zum anderen solle dabei aber auch der finanzielle Rahmen gewahrt bleiben.
Regierungschefin Hannelore Kraft lobte die "fachliche Exzellenz" ihrer Ministerriege, bei der eben "die Chemie stimmt". "Ein gutes Team", da ist sie sicher, "kann ganz weit kommen."
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