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Leipzig: "Kleine Transplantationszentren schließen"

zuletzt aktualisiert: 04.01.2013

Leipzig (RP). Angesichts des neuen Skandals um Organspenden gerät das bestehende System in die Kritik.

Die Organspende-Affäre am Universitätsklinikum Leipzig hat die Debatte um das Transplantationssystem in Deutschland neu befeuert. Patientenschützer fordern, die Zahl der 47 Transplantationszentren in Deutschland zu halbieren. Auch der medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Günter Kirste, sagte: "Es muss in den Transplantationszentren ganz heftig was geschehen."

Am Dienstag hatte die Leipziger Uni-Klinik die Manipulationen bei Lebertransplantationen in ihrem Haus publik gemacht. Insgesamt 38 Patienten sollen fälschlicherweise als Dialyse-Fälle geführt worden sein, um sie auf der Warteliste für eine Spenderleber nach oben rutschen zu lassen. Der Direktor der Transplantationsklinik und zwei Oberärzte wurden suspendiert.

Die neue Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Brandenburgs Ressortchefin Anita Tack (Linke), sprach sich für unbedingte Transparenz aus, betonte aber zugleich, dass die 2012 verschärften Regeln griffen. Das bekräftigte auch der Jurist Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer. Die Leipziger Verdachtsfälle stammten aus der Vergangenheit. "Diese Art von Manipulationen sind nicht mehr möglich. Sie sind dort passiert, wo ein oder zwei Leute allein vor sich hingewerkelt haben", sagte Lilie. Man habe aus dem ersten großen Transplantationsskandal 2012 in Göttingen gelernt.

"Es gibt ein Problem: Die Auslastung der Transplantationszentren funktioniert nicht", sagte dagegen Eugen Brysch, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Deswegen gebe es einen Konkurrenzkampf und einen Wettbewerb, der in diesem sensiblen Bereich fehl am Platze sei. "Bei solchen ethischen Fragen darf der Profit keine Rolle spielen", erklärte Brysch. "Mit gut 20 Zentren kommen wir sehr gut hin. Patienten müssen ja nicht wohnortnah transplantiert werden, sondern qualifiziert."

Die Skandale der vergangenen Monate zeigen unterdessen Wirkung: Der europäische Organ-Vermittler Eurotransplant registriert einen starken Rückgang der Bereitschaft zur Organspende in Deutschland. 2012 seien mehr als zehn Prozent weniger Organe aus Deutschland gemeldet worden, sagte der medizinische Leiter von Eurotransplant, Axel Rahmen, dem WDR. Ohne ins Detail gehen zu wollen, sei ein Zusammenhang mit den verschiedenen negativen Ereignissen in Deutschland "sicher anzunehmen".

Quelle: dpa
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