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"Keine Vorentscheidung"

zuletzt aktualisiert: 27.04.2010 - 02:30

Politologe Karl-Rudolf Korte, Duisburg

Herr Professor Korte, hat dieses TV-Duell die Landtagswahl entschieden?

Korte Nein. Nur wenn es einen ganz klaren Sieger gegeben hätte, hätten sich die kurzfristigen Einstellungen, die von so einem Duell beeinflusst werden, auf die Wahlentscheidung auswirken können. So aber werden sich die Stimmungsschwankungen bis zum Wahltag weitgehend wieder verflüchtigen.

Was heißt das für den Zeitpunkt?

Korte Je dichter am Wahltag das Duell liegt, desto gravierender wäre die kurzfristig messbare Stimmungsschwankung – und desto höher das Risiko für Rüttgers und Kraft.

Sind Kraft und Rüttgers die geborenen Protagonisten für ein Duell?

Korte Das Format liegt beiden nicht. Beide sind im kleinen Kreis überzeugend, aber keine Großrhetoriker und keine charismatischen Mediengestalten. Beide mögen den volkstümlichen Wahlkampf auf der Straße, aber nicht dieses Format.

Wozu dann überhaupt ein Duell?

Korte Wer sympathisch und stimmig Person, Programm und Partei vermittelt, kann punkten. Eine gute Mischung aus Show-Präsenz und Fachkompetenz kann ein TV-Duell zur attraktivsten Form des Fernsehwahlkampfs machen, zu einer Sternstunde der Aufklärung.

Das klingt ziemlich idealistisch.

Korte Die deutschen Wähler wählen immer noch nach Problemlösungs-Kompetenz. Daher ist es sehr wichtig zu sagen, wie man Politik gestalten will. Es geht nicht darum, sich einzuschmeicheln.

Das Duell Merkel–Steinmeier vor der Bundestagswahl wurde als "Duett" verspottet. Danach war zu hören, das Format habe sich überlebt. Richtig?

Korte Das Duell bleibt grundsätzlich zeitgemäß. Die Besonderheit der großen Koalition gilt ja in NRW nicht. Es hat sich aber insofern ein wenig überlebt, weil es wahrscheinlich ein Fünf-Parteien-Parlament geben wird und damit eine Art Koalitions-Lotto. Die Kleinen sind die Königsmacher, waren aber nicht dabei. Die alte Rechenlogik "Großpartner plus Kleiner" wird wahrscheinlich keine Mehrheit ergeben.

Die kleinen Parteien streiten sich ja morgen in der sogenannten Elefantenrunde. Aber dann sind schon wieder Kraft und Rüttgers dabei. Hätten die Kleinen unter sich bleiben sollen?

Korte Nein, denn die Runde morgen ist vermutlich das Abbild des künftigen Landtags – und dort wird sich die Frage stellen: Wie bildet man Mehrheiten? Für die Zuschauer dürfte am interessantesten sein zu beobachten, wo sich die Diskutanten gegenseitig trauen und wer vielleicht mit wem zusammenarbeitet.

Frank Vollmer führte das Gespräch.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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