Katalanen verbieten Stierkampf
zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 02:30Nach einer hitzigen Debatte im Regionalparlament haben sich die katalanischen Volksvertreter für ein Verbot des Stierkampfs ausgesprochen. Gegner sehen darin die Gefährdung einer Tradition, Befürworter ein Ende der "Folter".
Spaniens Tierschützer sind in Hochstimmung. Sie haben den Traditionsbewussten eine empfindliche Niederlage beigebracht: Das Parlament von Katalonien hat gestern die Abschaffung des Stierkampfes beschlossen. Die Abgeordneten wollen die blutigen Schaukämpfe ab 2012 aus der wohlhabenden Region im Nordosten des spanischen Festlandes verbannen. Dort leben zehn Prozent der insgesamt 46 Millionen Spanier. Es ist das erste Verbot seiner Art auf dem spanischen Festland.
Im Regionalparlament von Barcelona fiel die Entscheidung nach einer hoch emotional geführten Debatte, in der sich Gegner und Befürworter unversöhnlich gegenüberstanden. Die Befürworter des Stierkampfes, der sogenannten "Corrida", skandierten während der Sitzung lautstark "Stiere ja, Freiheit ja". Die Gegner geißelten die blutigen Spiele dagegen als "Folter" in den Arenen und forderten ein Ende des Treibens.
Der Sprecher der gemäßigten Partei Konvergenz und Union (CiU), Josep Rull, sagte, ein Nein zum Stierkampf zeuge nicht von einer antispanischen Gesinnung, wie Befürworter gerne unterstellten. Rull verwies auf das englische Fuchsjagd-Verbot. Auch damit werde englischen, britischen und schottischen Traditionen keine Absage erteilt.
Die Abstimmung schloss schließlich mit 68 zu 55 Stimmen gegen den Stierkampf, neun Parlamentarier enthielten sich. Mehrere Parteien hatten den Fraktionszwang aufgehoben und ihren Abgeordneten freigestellt, wie sie abstimmen. Das Thema hatte die Tierschutzinitiative "Prou!" ("Es reicht!") angestoßen. Die Organisation hatte Ende vergangenen Jahres eine entsprechende Petition eingebracht und mehr als 180 000 Unterschriften gesammelt. "Heute enden fünf Jahrhunderte der Grausamkeit", teilte Prou nach dem Votum mit. Anhänger des Stierkampfes kündigten allerdings bereits eine Verfassungsklage gegen das Verbot an. Zudem fordern die Befürworter 400 Millionen Euro Schadenersatz.
Die letzte verbliebene Stierkampfarena in der Regionalhauptstadt Barcelona wird geschlossen. Dort fanden 15 Kämpfe pro Jahr statt – selten vor ausverkauftem Haus. Dennoch gilt der spanische Stierkampf mit seinen 40 000 Arbeitsplätzen als wichtiger Wirtschaftssektor. Als erste Region hatten die Kanarischen Inseln 1991 den Stierkampf verboten. Andere Regionen wie Madrid oder Valencia hatten ihn zum "schützenswerten Kulturgut" erklärt. Von dem Verbot ausgenommen bleiben die "Correbous", die bei lokalen Feierlichkeiten in der Ebro-Region veranstaltet werden und die Kritiker ebenfalls für Tierquälerei halten. Dabei werden Stiere und Kühe von einer Menge durch die Dörfer gejagt.
Der Ausgang des Votums war vom gesamten Land mit Spannung erwartet worden. Die Entscheidung wurde vielfach als eine Machtdemonstration der auf mehr Autonomie pochenden Region gewertet. Die Zeitung "El Mundo" hatte die Debatte als "Politikum" bezeichnet und Katalonien vorgeworfen, "alles verbieten zu wollen, was spanisch ist". Andere konservative Medien mutmaßten, die Region wolle sich mit dem Verbot für die Entscheidung des Verfassungsgerichts rächen, das Teile von Kataloniens Autonomiestatut für verfassungswidrig erklärt hatte.
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