Kampf um Sabbat in Jerusalem
VON GIL YARON - zuletzt aktualisiert: 30.06.2009 - 02:30Jerusalem. Ein Parkplatz ist in Jerusalem zum Politikum geworden. Zehntausende Israelis gehen seit Wochen für und gegen die Öffnung des Parkhauses an Samstagen auf die Straßen. Am Wochenende wurden bei Unruhen ein Demonstrant lebensgefährlich verletzt und 57 Menschen verhaftet. Den ultra-orthodoxen Juden, auf Hebräisch "Haredim", die Gottesfürchtigen, genannt, ist die Öffnung des Parkplatzes ein Gräuel, gilt ihnen doch der Samstag als heiliger Sabbat, an dem man auch kein Auto fahren darf.
Bisher konnten sie die Schließung öffentlicher Parkplätze erzwingen. Doch Nir Barkat, der neue Bürgermeister Jerusalems, will dem Einfluss der Haredim ein Ende bereiten. Der Kampf ums Parkhaus mutiert damit zum Machtkampf um den Charakter einer Stadt, die den drei monotheistischen Religionen heilig ist und in der jede kleine Veränderung mindestens einen Bevölkerungsteil bis aufs Blut reizt.
Rund ein Drittel der Bewohner Jerusalems sind Haredim. Große Teile dieses Milieus lehnen die "Verwestlichung" ihrer "heiligen Stadt" kategorisch ab. In Jerusalem schwindet die weltliche jüdische Bevölkerung, während die Gruppe der Ultra-Orthodoxen wächst. Sie haben mit durchschnittlich 7,7 Kindern pro Familie mehr Nachwuchs (der israelische Durchschnitt liegt bei 2,4) und können mit einem Strom religiöser Einwanderer rechnen, die aus aller Welt nach Jerusalem ziehen. Weltliche Israelis wandern hingegen aus Jerusalem ab. 300 000 Israelis verließen Jerusalem in den vergangenen 20 Jahren Richtung Tel Aviv. Dort gibt es nicht nur bessere Aussichten auf einen gut bezahlten Job und billige Mieten. Restaurants und Supermärkte haben im Gegensatz zum nur 60 Kilometer entfernten Jerusalem auch am Sabbat geöffnet. Die Einhaltung jüdischer Speisegesetze der Kaschrut werden hier nicht erzwungen, während Restaurants, die sich in Jerusalem diesen Auflagen widersetzen, haredische Massendemos vor ihrer Ladentür drohen.
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