K-Frage: SPD-Frauen für Kraft
VON DETLEV HÜWEL UND EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 03.01.2012 - 02:30Berlin/Düsseldorf In der Debatte um die Frage, wer 2013 für die SPD als Kanzlerkandidat antreten soll, wollen die SPD-Frauen den Männern nicht länger das Feld allein überlassen. Eine Reihe von Sozialdemokratinnen schloss sich dem Vorstoß der frisch gewählten Vize-Partei-Chefin Aydan Özoguz an, auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in den Reigen der möglichen Kanzlerkandidaten aufzunehmen.
"Ich halte es nicht für ausgemacht, dass die Frage des Kanzlerkandidaten eine Sache unter Männern ist", sagte SPD-Fraktionsvize Elke Ferner unserer Zeitung. Eine Kandidatin sei "überfällig", betonte Ferner, die auch die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen führt. "Das könnte dann mit Sicherheit Hannelore Kraft sein."
Die SPD will ihren Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl offiziell erst Anfang 2013 küren. Als mögliche Kandidaten gelten SPD-Chef Sigmar Gabriel, der Fraktionschef im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, der von 2002 bis 2005 NRW-Ministerpräsident war. Traditionell hat der Parteichef das Vorschlagsrecht. Umfragen zufolge erhält Steinbrück im Volk die höchste Zustimmung, gefolgt von Steinmeier. Der Parteichef selbst liegt auf dem dritten Platz.
Unterstützung für Kraft kam auch aus Nordrhein-Westfalen. Die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken (SPD) sagte, Kraft sei für die Kanzlerkandidatur "genauso gut geeignet" wie Gabriel, Steinmeier und Steinbrück. Es müsse der Normalfall werden, dass in der Sozialdemokratie auch Frauen in Spitzenpositionen gelangten, sagte Walsken unserer Zeitung. Auch die Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese forderte mehr Frauen in SPD-Führungspositionen. "Dass dies klappt, sieht man ja in NRW", sagte sie.
Die NRW-Ministerpräsidentin hatte bereits beim Parteitag im Dezember eine Debatte um ihre Person ausgelöst, nachdem sie mit dem furiosen Wahlergebnis von 97,2 Prozent im Amt der Vize-Parteichefin bestätigt worden war. Kraft kostete den Sieg aus, vermied es aber ebenso, die Diskussion um ihre Person zu befeuern, wie auch, glasklar einen Wechsel nach Berlin auszuschließen. In einem Interview mit unserer Zeitung sagte sie im Dezember zur Kandidaten-Frage: "Ich führe in NRW eine Minderheitsregierung; unser Blick richtet sich auf die nächste Wahl. Die möchte ich gerne gewinnen, um das Land weiter voranzubringen." Die nächsten Landtagswahlen in NRW finden regulär 2015 statt.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und die weitere Partei-Vize-Chefin, Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig, wollten sich zur Debatte um eine Kanzlerkandidatin nicht äußern. Eher zurückhaltend kommentierte die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Carola Reimann, die Forderung der Genossinnen: Die SPD sei grundsätzlich offen für eine Kanzlerin. Dies stehe derzeit aber nicht zur Debatte.
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