Junge härter bestrafen?

VON M. BRÖCKER, R. MICHELS UND E. QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009 - 02:30

Nachdem zwei Jugendliche in München einen Geschäftsmann zu Tode geprügelt haben, ist eine Debatte über eine Verschärfung des Jugendstrafrechts entbrannt.

Berlin/Düsseldorf Die tödliche Attacke auf einen 50-Jährigen, der vier Kinder vor einem Überfall schützen wollte, hat eine heftige Debatte über politische Folgen ausgelöst. Führende Unionspolitiker forderten mehr Videoüberwachungen im öffentlichen Raum und eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer betonte, die Union habe bereits vor zweieinhalb Jahren nach ähnlichen Vorfällen klare Vorschläge für mögliche Konsequenzen unterbreitet. Die SPD habe sich aber "beharrlich geweigert, das Geringste zu tun".

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, warf seinerseits der CSU eine "besondere Art der Verantwortungslosigkeit" vor. Er kritisierte die CSU-Forderungen nach mehr Videoüberwachung und einer Verschärfung des Jugendstrafrechts scharf: "Ich finde es verantwortungslos, wenige Stunden nach der Tat solche Sprüche zu klopfen", sagte Wiefels-pütz unserer Zeitung. Die Politiker sollten lieber den Mund halten und erst einmal die Ermittlungen der Polizei abwarten, riet der SPD-Mann. "Und dann werden wir sehen, ob wir aus dieser Tat etwas lernen können."

Auch die bayerische FDP-Chefin und frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lehnt eine Verschärfung des Jugendstrafrechts ab. "Schon heute können Richter das Erwachsenenstrafrecht für Heranwachsende anwenden. Das Jugendstrafrecht bietet ein breites Sanktionsspektrum, um entsprechend dem Entwicklungsstadium der jungen Täter reagieren zu können", sagte sie unserer Zeitung. Allerdings müsse es deutlich mehr Stellen bei der Polizei geben. "Wenn es darum geht, mehr Sicherheit im Öffentlichen Personennahverkehr zu schaffen, kommt man um mehr Polizei und Sicherheitskräfte nicht herum."

Der Vorsitzende des Richterbundes, Christoph Frank, sieht mehr Polizeipräsenz auf den Straßen als wirksames Mittel der Prävention vor Gewalttaten. Außerdem seien zusätzliche Überwachungskameras im öffentlichen Raum im Rahmen der Landespolizeigesetze sinnvolle Schutzmaßnahmen. Von der Anhebung der Höchststrafe im Jugendstrafrecht von zehn auf 15 Jahre verspricht sich Frank keine abschreckende Wirkung. Der Freiburger Oberstaatsanwalt wandte sich gegen Vorwürfe, die Justiz gehe zu milde mit jungen Kriminellen um. Es sei belegt, dass Staatsanwaltschaften und Gerichte seit geraumer Zeit ihre Reaktionen auf Gewalttaten eher deutlich verschärft hätten. Im vorliegenden Fall würden sich die schnelle Festnahme der Täter, die verhängte Untersuchungshaft sowie eine bald anberaumte Hauptverhandlung im Umfeld der Kriminellen herumsprechen. Das hätte gewiss eine generalpräventive Wirkung.

Frank bezeichnete es als falsch anzunehmen, dass Bestrafung nach Jugendstrafrecht in jedem Fall die im Vergleich zu Sanktionen nach dem Strafgesetzbuch weniger einschneidende Sanktion sei. Während das Strafrecht nur die Wahl zwischen Geld- und Haftstrafe kenne, sehe das Jugendstrafrecht neben Freiheitsstrafen für Schwerkriminelle verschiedene abgestufte Sanktionsmöglichkeiten, etwa Arbeitsauflagen und Weisungen vor, die sehr einschneidend auf die Lebensführung jugendlicher Straftäter wirkten.

Quelle: Rheinische Post


 
Artikel der Rubrik Politik
   
 

Weitere Nachrichten vom 15. September 2009

Politik

Anzeige

MICHAEL BRÖCKER SCHREIBT "INSIDE USA"
Michael Bröcker berichtet für uns von seiner Zeit in den USA Foto: RPO

Inside USA

New Yorks Comeback

Im „Big Apple“ regiert wieder der Optimismus. Neun Jahre nach dem Terror-Anschlag und zwei Jahre nach... mehr 

POLITIK-BLOG
Gregor Mayntz ist Redakteur in unserer Parlamentsredaktion Foto: RP

Berliner Bühne

Gardine statt Google

Innenminister Thomas de Maiziere gehört zu den Politikern, die besonders vor potenziellen Attentätern... mehr 

FOTOSTRECKEN POLITIK
Michael Bröcker ist derzeit für ein Stipendium des IJP in den USA. Nun hat er auch New York besucht. Ein Blick auf die Brooklyn Bridge.
Michael Bröckers "Inside USA" - in New York
Michael Bröcker ist derzeit für ein Stipendium des IJP in den USA. Nun... mehr 
 
Michael Bröcker ist derzeit für ein Stipendium des IJP in den USA. Nun hat er auch New York besucht. Ein Blick auf die Brooklyn Bridge.
Michael Bröckers "Inside USA" - in New York
Michael Bröcker ist derzeit für ein Stipendium des IJP in den USA. Nun... mehr 
In Dortmund demonstrierten am Samstag linke und rechtsextreme Gruppierungen. Zu einem direkten Aufeinandertreffen kam es dabei aber nicht. Begleitet wurden die Aufmärsche von einem großen Polizeiaufgebot.
Neonazis und Linke demonstrieren in Dortmund
In Dortmund demonstrierten am Samstag linke und rechtsextreme Gruppierungen.... mehr 
Mit einem enormen Polizeiaufgebot wurde die Vorstellung der Memoiren von Tony Blair in Dublin begleitet.
Tony Blair stellt seine Memoiren vor
Mit einem enormen Polizeiaufgebot wurde die Vorstellung der Memoiren von... mehr 
Politikerinnen der tschechischen Bürgerpartei Veci verejné steigen mit einem freizügigen Kalender in den Wahlkampf ein. Als Models posieren sie selbst.  Katerina Klasnova (32) zeigt sich im Bademantel und mit Hündchen.
Politikerinnen posieren erotisch
Politikerinnen der tschechischen Bürgerpartei Veci verejné steigen mit... mehr 
 
TOP-SERVICES
POLEMIK-PROTOKOLL AUS DEM BUNDESTAG

Wenn Politiker schimpfen

"Sie geistiges Eintopfgericht"

Eine vergnügliche Sammlung von Ausrastern, Schmähungen und polemischen Geistesblitzen aus dem Bundestag. mehr 

IHR RP ONLINE
facebook Werden Sie unser Freund bei Facebook   Twitter Aktuelle News sowie Infos aus der Redaktion - direkt bei Twitter   Für Düsseldorf, Duisburg, Leverkusen, Solingen, Remscheid und Mönchengladbach haben wir Heimatprofile angelegt. Werden Sie unser Freund bei StudiVZ/MeinVZ
 


WEITERE AKTUELLE NACHRICHTEN VON RP ONLINE
 
 
 
 
 
Kalaydo stellen auto immobilien marktplatz inserieren
 
Aktuelles Regional Services Suche Videos
Einloggen Gast