Iranischer Atomforscher stirbt bei Bombenanschlag
zuletzt aktualisiert: 13.01.2010 - 02:30Teheran (apn) Ein oppositionsnaher iranischer Atomwissenschaftler ist bei einem Bombenanschlag in Teheran getötet worden. Die iranische Regierung beschuldigte die USA und Israel, in die Ermordung von Massud Ali Mohammadi verwickelt zu sein. Der Universitätsprofessor war amtlichen Medienberichten zufolge auf dem Weg zur Arbeit, als er bei der Explosion eines ferngezündeten Sprengsatzes vor seinem Haus in den Tod gerissen wurde. Mit dem umstrittenen iranischen Atomprogramm hatte er nach Behördenangaben nichts zu tun. Es gebe Hinweise darauf, dass Israel und die USA "und ihre Söldner im Iran" an dem Anschlag beteiligt seien, erklärte das iranische Außenministerium gegenüber dem staatlichen Fernsehen. Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi sagte, aller Wahrscheinlichkeit nach hätten Washington und der israelische Geheimdienst Mossad mit der Explosion zu tun. Weiter hieß es auf der Internetseite des Senders, der Physiker sei einem "Terroranschlag von Gegenrevolutionären und Elementen der Arroganz" zum Opfer gefallen. Die Basidsch-Milizen nannten den 50-Jährigen einen Märtyrer.
Dabei hatte sich der Atomforscher bei der Präsidentenwahl im Juni offen für Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi ausgesprochen. Sein Name erschien vor der Abstimmung auf reformorientierten Internetseite zusammen mit denen von rund 240 Hochschullehrern, die den Herausforderer von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad unterstützten. Die Teheraner Universität, an der er unterrichtete, stand im Zentrum von Studentenprotesten gegen die Regierung. Der Leiter der Forschungsabteilung der Hochschule, an der Mohammadi gelehrt hatte, sagte der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr, der Wissenschaftler sei nicht politisch aktiv gewesen. "Der prominente Professor war keine politische Figur", so Ali Mokari. Der Basidsch-Miliz zufolge lehrte Mohammadi an zwei weiteren Hochschulen, die mit den Revolutionsgarden in Verbindung stehen.
Im Juni verschwand bereits ein iranischer Kernforscher während einer Pilgerreise nach Mekka. Bis heute ist ungeklärt, ob Schahram Amiri verschleppt wurde oder übergelaufen ist. Das iranische Außenministerium warf dem Westen vor, in seine Entführung verwickelt zu sein. Im Jahr 2007 starb ein iranischer Atomwissenschaftler an einer Gasvergiftung. Dass der Tod von Ardeschir Hosseinpur erst nach einer Woche publik gemacht wurde, ließ Spekulationen über eine Beteiligung des israelischen Geheimdienstes laut werden. Der Westen verdächtigt den Iran seit langem, unter dem Deckmantel der Entwicklung der Kernenergie nach Atomwaffen zu streben.
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