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In Düsseldorf fallen 91 Flüge aus

VON HANS ONKELBACH, ANJA SETTNIK UND ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 16.04.2010 - 02:30

Passagiere stehen ratlos vor Service-Schaltern, Geschäftsleute hoffen verzweifelt auf Anschlussflüge, Mitarbeiter geben wieder und wieder die gleichen Auskünfte: Am Düsseldorfer Flughafen sorgte die isländische Aschewolke gestern für Turbulenzen. Wann sich die Situation wieder normalisiert, ist unklar.

Die freundliche Mitarbeiterin der Lufthansa beweist Nerven – und gute Englisch-Kenntnisse: In einer Traube aus ratlosen Passagieren behält sie die Ruhe und erklärt zum x-ten Mal, warum eine ganze Reihe von Anschlussflügen nicht stattfinden wird. Worte wie "ash-cloud" (für Aschewolke) und "eruption" für den Ausbruch eines "volcano" auf "the island of Iceland" gehen ihr mühelos über die Lippen. Kein Wunder: Sie steht seit geraumer Zeit im Terminal A des Flughafens Düsseldorf und muss Dutzenden Menschen erklären, dass Mutter Natur mit mächtiger Hand in den Flugplan eingegriffen und mit einer riesigen Aschewolke den Luftraum über Nord-Europa zur No-Fly-Area gemacht hat.

Eine gewaltige Aschewolke aus dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull hatte gestern den Luftverkehr über Großbritannien, Irland und Teilen Skandinaviens ausgebremst. Der größte europäische Flughafen London-Heathrow war schon seit 13 Uhr dicht. Mit prompter Auswirkung auf Kontinentaleuropa: In Frankfurt fiel Marc Chapmans Rückreise ins heimatliche London aus. "Glücklicherweise haben wir ein Hotel gefunden, in das wir jetzt auch gehen", sagt der Brite. Von 250 ausgefallenen Starts und Landungen wurde an Deutschlands größtem Flughafen berichtet. Der Hamburger Flughafen sollte seinen Betrieb am Abend einstellen. Passagiere wurden aufgefordert, sich an ihre Fluggesellschaften zu wenden, um nach Möglichkeit auf Züge umgebucht zu werden.

Da waren in Düsseldorf schon 91 Verbindungen ausgefallen. Die Passagiere nehmen es gelassen. Geduldig stehen sie in einer langsam wachsenden Schlange vor einem Schalter, an dem sie auf andere Flüge umbuchen wollen. Ob das gelingt, ist allerdings mehr als fraglich. Denn wer an diesem Donnerstagnachmittag von Düsseldorf nach Manchester oder Birmingham will, der hat schlechte Karten. Weil die Flughäfen auf der britischen Insel geschlossen sind, ist ein Weiterflug nicht möglich. Zwei Rucksacktouristen – Mariette und Piet aus Holland – werden von British-Airways-Stewardessen darüber aufgeklärt, dass sie ihren London-Trip nicht wie geplant werden antreten können. Mit einigem Glück geht es morgen normal weiter, heißt es bei den Fluggesellschaften.

Auch die Verbindung nach Paris stockt: Mindestens ein Air-France-Flug ist gestrichen, weitere werden vermutlich annulliert. Fassungslos hört ein 48-jähriger Geschäftsmann aus Moskau, er könne ja mit dem Zug in die französische Metropole weiterreisen: "By train?" fragt er ungläubig – und sieht offenbar seine Terminplanung über die Seine gehen. Auch Weiterflüge in skandinavische Städte sind nicht möglich: Kopenhagen, Göteborg, Oslo – überall sind die Airports geschlossen.

Die meisten dieser Passagiere werden die Nacht wohl in Düsseldorf verbringen, die Airlines verteilen Gutscheine für Hotels. Rund 100 Menschen, sagt ein Flughafen-Sprecher am frühen Abend, seien in Düsseldorf gestrandet. Durchweg Passagiere von Interkontinental-Flügen, die eigentlich nur umsteigen und dann möglichst schnell weiterfliegen wollten. Die 91 Flugbewegungen wurden vor allem im Laufe des Nachmittags annulliert, bei den meisten kamen die Maschinen erst gar nicht in Düsseldorf an. Die weitaus meisten Passagiere waren rechtzeitig informiert worden und gar nicht angereist.

Auch in Weeze, wo gestern zwei ausgehende und zwei ankommende Flüge ausfielen, blieb das ganz große Chaos aus: Am Abend, als die beiden Ryanair-Flüge nach Edinburgh und London hätten rausgehen sollen, wusste jeder Bescheid. Später dann doch weitere Absagen: Für den heutigen Freitag hat Ryanair zunächst zehn Flüge gestrichen. Ob es darüber hinaus Einschränkungen geben wird, ließen die Airports größtenteils offen. Weder in Köln, wo zwölf Flüge ausgefallen sind, noch in Düsseldorf ist am Donnerstagnachmittag klar, wie es weitergeht. Ersten Gerüchten, der Flughafen in der Landeshauptstadt werde am Abend für die Nacht geschlossen, widerspricht Sprecher Christian Witt. Man sehe derzeit keinen Anlass für solche Überlegungen.

Von Hamburg habe er gehört. Aber niemand wisse, wie sich die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan weiter bewege. Man sei natürlich mit Meteorologen und den zuständigen Behörden sowie der Flugsicherung in Kontakt, aber eine Schließung sei nicht avisiert. Doch letztlich, so hieß es, seien auch die Voraussagen nur Spekulation.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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