Immer mehr Polizisten Opfer von Gewalt
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 27.05.2010 - 02:30Die Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt in Deutschland dramatisch zu. In den letzten vier Jahren ist die Zahl der Beamten, die nach schweren Übergriffen mindestens eine Woche im Krankenhaus lagen, um 60 Prozent gestiegen, berichtete Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) gestern zum Auftakt der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern.
Er hatte dazu eine neue Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN) mitgebracht, derzufolge fast jeder Polizist in Deutschland beleidigt und fast jeder zweite Opfer körperlicher Gewalt wird. Acht bis neun Prozent erlebten sogar Angriffe mit Waffen, sagte KFN-Direktor Christian Pfeiffer in Berlin. Im Streifendienst seien die Zahlen noch höher.
Pfeiffer ist damit beschäftigt, 22 500 Fragebögen von Polizisten aus zehn Bundesländern auszuwerten und auch zahlreiche Intensiv-Interviews über die Erlebnisse deutscher Ordnungshüter mit einzuarbeiten. Pfeiffer: "Das geht unter die Haut, was wir da an brutaler Gewalt erfahren." Die Täter seien nach einer ersten Übersicht "immer jünger, immer betrunkener und immer linker", wenn es um die Einordnung politisch motivierter Gewalttaten gehe.
Schünemann warb deshalb für schärfere Strafen. Die Höchststrafe für Gewalt gegen Polizisten solle von zwei auf vier Jahre angehoben und auch die Mindeststrafe erhöht werden. Es sei zudem ein weiterer Strafrechtsparagraf nötig, der Angriffe nicht nur bei Festnahme-Versuchen würdige. Daneben setzen Schünemann und Pfeiffer auf mehr Aufklärung und Vorbeugung.
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