Haitis Diktator "Baby Doc" zurück
zuletzt aktualisiert: 18.01.2011 - 02:30Frankfurt/M. (dapd) Nach fast 25 Jahren im Exil ist der frühere haitianische Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier (59) überraschend in seine Heimat zurückgekehrt. Nach landesweiten Protesten und auf Druck des Militärs war er am 6. Februar 1986 aus dem Karibikstaat geflohen. Nun ist er nach eigener Aussage zurückgekehrt, um den Menschen von Haiti zu helfen.
Die überraschende Rückkehr von "Baby Doc" dürfte in dem Land heftige Debatten wegen Duvaliers dunkler Vergangenheit auslösen. Duvalier hatte 1971 nach dem Tod seines Vaters François Duvalier ("Papa Doc") die Macht übernommen. Der Vater, ein Arzt, war 1957 in freien Wahlen zum Präsidenten des verarmten Landes gewählt worden und errichtete eine auf Terror und Unterdrückung begründete Diktatur. Berüchtigt war die von ihm eingerichtete "Tonton Macoute" genannte Miliz. Der Herrschaft von "Papa Doc" sollen 30 000 Menschen zum Opfer gefallen sein.
Der Verbleib der Macht in der Familie wurde 1970 mit Verfassungsänderungen vorbereitet. So ließ "Papa Doc" das Mindestalter für Präsidenten auf 18 Jahre herabsetzen, so dass "Baby Doc" im April 1971 als 19-Jähriger das Amt von seinem Vater übernehmen konnte.
Sein Hofstaat und er lebten im Luxus, während die meisten der rund fünf Millionen Haitianer unter Armut litten. 1980 heiratete er die Tochter eines Kaffeepflanzers, Michèle Bennett. Die Feierlichkeiten waren verschwenderisch prunkvoll und veranschaulichten Duvaliers pompösen Lebensstil.
Durch den Missbrauch von Spendengeldern und sozialer Stiftungen soll Duvalier in seiner Regentschaft Millionen Dollar beiseitegeschafft haben. 1982 überstand er einen Putschversuch von Exil-Haitianern. Doch 1984 verschlechterte sich die Lage für Duvalier. Insbesondere die US-Wirtschaftshilfe war seit dieser Zeit an Fortschritte bei der Demokratisierung geknüpft. 1984 kam es zu ersten Hungeraufständen. Es gelang Duvalier nicht, die Lage zu stabilisieren, so dass er sich Anfang 1986 auch auf Druck des Militärs und auf Anraten von Vertrauten zum Verlassen des Landes gezwungen sah.
Unter Duldung der französischen Behörden lebte Duvalier seither in Frankreich – weiter im Luxus. Doch sperrte die Schweiz sein auf dortigen Konten deponiertes Vermögen von 450 Millionen US-Dollar. Mit der Scheidung von Frau Michèle 1992 verlor Duvalier einen Großteil seiner Mittel. Danach gab es Gerüchte, er habe Geldprobleme.
Bereits im Herbst 2007 hatte der noch immer amtierende Präsident René Préval erklärt, Duvalier könne nach Haiti zurückkehren, müsste sich dann aber vor der Justiz für den Tod von Tausenden Menschen und der Veruntreuung von Millionen Dollar verantworten.
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