Berlin: Guttenberg zurück in den Bundestag?
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 09.01.2012 - 02:30Berlin (RP). Die CSU will Karl-Theodor zu Guttenberg zurück. In den nächsten Wochen soll eine Entscheidung über eine mögliche Bundestagskandidatur in seiner Heimat fallen. CSU-Chef Horst Seehofer erwartet allerdings einen Guttenberg, der bereit ist, sich ins Glied einzureihen.
Auf seine neue Brille angesprochen überlegt Generalsekretär Alexander Dobrindt am Rande der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth, wie er das Ding überflüssig machen könnte. Vielleicht helfe ja eine indische Wunderheilerin, sagt er und erntet damit Lacher. Mit der Bemerkung spielt er auf den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an, der sich in den USA nach Konsultation einer indischen Ärztin seiner Brille entledigte.
Dobrindts Scherz zeigt das gespaltene Verhältnis der Christsozialen zu ihrer einstigen Lichtgestalt. Zu Guttenberg ist in der CSU immer noch allgegenwärtig. Aber die CSUler fremdeln mit seinen Wandlungen, Äußerungen, Beschäftigungen. Die Basis ist in der Frage Guttenberg gespalten. "Wir können auf seine Strahlkraft nicht verzichten", sagen seine Anhänger. "Wir setzen unsere Glaubwürdigkeit aufs Spiel", fürchten die Skeptiker.
Der 40-Jährige wird Ende Januar auf Deutschlandreise gehen. Neben einem Auftritt beim Aachener Karnevalsverein stehen ernsthafte Gespräche in Bayern auf dem Programm. Konkret soll eine Bundestagskandidatur in seinem derzeit verwaisten Wahlkreis in Oberfranken erörtert werden. Die CSU will Guttenberg zurück. Parteichef Horst Seehofer hat aber klar gemacht, dass er auf einen Guttenberg setzt, der bereit ist zum Teamspiel. Es liege an ihm, "sich in unsere erstklassige Mannschaft einzureihen", sagte Seehofer.
Nach einem Bericht des "Spiegel" hat Guttenberg auf die Aufforderung des CSU-Kreisvorsitzenden von Lichtenfels, Christian Meißner, innerhalb der nächsten vier bis fünf Wochen mit ihm und dem Kulmbacher CSU-Chef Henry Schramm ein Gespräch zu führen, knapp per SMS geantwortet: "Machen wir."
Seit der Freiherr den "schmerzlichsten Schritt seines Lebens" im Zuge der Plagiatsaffäre gehen musste und vom Amt des Verteidigungsministers zurücktrat, sind gerade einmal neun Monate vergangen. Zu Guttenberg hatte Amt und Mandat niedergelegt und war mit Frau und Töchtern in den US-Bundesstaat Connecticut übergesiedelt. Dort schloss er sich einer Washingtoner Denkfabrik an. Von dort erreichten auch die ersten Nach-Rücktrittsfotos die deutschen Medien. Zu sehen war ein äußerlich veränderter zu Guttenberg mit neuer Frisur, ohne Brille, im Gesicht ein wenig runder.
Nach einem halben Jahr Abstinenz von der deutschen Medienöffentlichkeit meldete er sich mit einem Paukenschlag zurück. In dem Interview-Buch "Vorerst gescheitert" machte er seine eigene Partei mies. Die CSU habe "Spinnenweben" angesetzt, sagte er. Das Buch hinterließ den Eindruck von Uneinsichtigkeit und Rechtfertigung. Die Partei reagierte verärgert. Guttenberg schlage "Wunden, die so schnell nicht verheilen", erklärte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Nun drängt Friedrich, der in Guttenbergs Heimat CSU-Bezirkschef ist, auf eine Entscheidung während Guttenbergs Aufenthalt in Deutschland Ende Januar. "Ich gehe davon aus, dass er dann die Gelegenheit nutzt, mit seinen politischen Freunden zu reden."
Zu Guttenberg drängt offensichtlich nach neuen öffentlichkeitswirksamen Aufgaben. Zuletzt hatte er sich der EU-Kommission als Internet-Berater angedient. Vor dem Hintergrund, dass die abgeschriebenen Stellen in seiner Doktorarbeit vor allem durch Plagiatsjäger im Internet entdeckt wurden, zog zu Guttenberg damit auch Spott auf sich.
In der deutschen Öffentlichkeit ist zu Guttenbergs Ansehen nach wie vor beschädigt. Dennoch gilt "KT", wie er auf dem Höhepunkt seiner Popularität allerorten genannt wurde, in seiner Partei als Zugpferd für Wähler, die Seehofer nicht erreichen kann. Für die Wahlen in Bayern im Herbst 2013 könnte das entscheidend sein. Die CSU liegt dort recht stabil bei 44 Prozent. Der Koalitionspartner FDP ist in Bayern aber ähnlich angeschlagen wie im Rest der Republik. Für die CSU erschwerend kommt hinzu, dass die SPD mit Münchens Oberbürgermeister Christiann Ude seit Jahren erstmals wieder einen ernst zu nehmenden Gegenkandidaten aufstellt.
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