kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast

Rom: Frauen sind Berlusconis Schicksal

VON JULIUS MÜLLER-MEININGEN - zuletzt aktualisiert: 19.01.2011 - 02:30

Rom (RP). Stürzt der italienische Ministerpräsident über seine Affären? Immer neue Details über seine ausschweifenden Partys mit mutmaßlichen Prostituierten werden bekannt. Auch eine Minderjährige soll beteiligt gewesen sein. Eine Mailänder Staatsanwältin arbeitet unerbittlich an der Aufklärung der Vorwürfe gegen den 74-jährigen Politiker.

Unter den zahlreichen Frauen, die derzeit Silvio Berlusconis Geschicke bestimmen, gibt es eine besonders unangenehme für den italienischen Ministerpräsidenten: Ilda Boccassini, die Mailänder Staatsanwältin. Sie leitet federführend die Ermittlungen gegen den 74-Jährigen wegen Prostitution mit Minderjährigen und Amtsmissbrauchs.

Für Berlusconi, der bereits in diversen Korruptionsverfahren Boccassinis Bekanntschaft machte, ist die gebürtige Neapolitanerin die Personifizierung einer politisierten Justiz, von der sich der Ministerpräsident seit knapp zwei Jahrzehnten verfolgt fühlt. Berlusconi-Gegner sehen in der zweifachen Mutter dagegen eine unbezwingbare Frau, die auch vor den Mächtigen nicht zurückschreckt und dabei nie die Öffentlichkeit sucht. Boccassini gibt keine Interviews, weil sie findet, die Ermittlungsakten sprächen für sich selbst.

Seit Monaten geht sie Gesetzesverstößen in Berlusconis ausschweifendem Privatleben nach und ließ Dutzende Telefongespräche abhören, deren Inhalt nun in italienischen Zeitungen ausgebreitet wird. Daraus ergibt sich ein "desolates Bild", wie inzwischen sogar Parteifreunde des Ministerpräsidenten und Staatspräsident Giorgio Napolitano eingestehen.

Wieder ist von den Orgien in Berlusconis Privatresidenz in Arcore bei Mailand die Rede, von Travestie-Shows im Partykeller und einem Ministerpräsidenten, der sich mit einer Art Harem vergnügt und die halbnackten Mädchen an intimen Stellen befummelt, während diese ihn als "Amore" bezirzen. Nach den Partys habe Berlusconi die Frauen ausgesucht, die die Nacht mit ihm verbringen sollten.

Strafrechtlich relevant sind die Privatfeste deshalb, weil die jungen Damen mit Geld oder Immobilien entlohnt worden seien. "Du kannst dir nicht vorstellen, wie es da zugeht. In den Zeitungen steht viel weniger, als in Wirklichkeit passiert", wird eine Partyteilnehmerin in den Protokollen zitiert.

Dass bei mehreren Partys auch die inzwischen 18 Jahre alte "Ruby Rubacuori" (Ruby Herzensbrecherin), mit bürgerlichem Namen Karima El Marough, anwesend war, ist für Berlusconi im Nachhinein besonders unangenehm: Aus einem abgehörten Telefonat geht hervor, wie die damals noch Minderjährige ihrem Freund erzählt, Berlusconi habe sie aufgefordert, öffentlich alles abzustreiten. "Mit meinem Anwalt haben wir fünf Millionen Euro von ihm gefordert dafür, dass ich mich dumm stelle, und er hat akzeptiert", zitiert der renommierte "Corriere della Sera" Ruby aus den Ermittlungsunterlagen. Wegen der besonderen Schwere der Vorwürfe versucht Boccassini den Fall sogar ohne eine zeitraubende Voruntersuchung vor Gericht zu bringen. Berlusconis Anwälte haben bisher nicht erklärt, ob sie der Vorladung ihres Mandanten an diesem Wochenende in Mailand nachkommen werden. Während die Opposition bisher vergeblich den Rücktritt fordert, streitet der Betroffene weiterhin alle Vorwürfe ab.

Ruby hatte schon vorher für Aufregung gesorgt: Im Oktober kam heraus, dass Berlusconi sich persönlich für die damals 16- oder 17-jährige Marokkanerin eingesetzt haben soll. Nachdem sie im Sommer 2010 wegen Diebstahls festgenommen worden war, rief der Ministerpräsident bei der Polizei an und ließ die Minderjährige von einer seiner Vertrauten abholen mit dem Vorwand, es handele sich um die Nichte des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak.

Die ehemalige Zahnhygienikerin und Abgeordnete der Berlusconi-Partei PdL, Nicole Minetti, holte El Marough daraufhin bei den Mailänder Behörden ab. Laut Boccassini soll Minetti gemeinsam mit zwei weiteren Berlusconi-Vertrauten, dem Fernsehjournalisten Emilio Fede und dem TV-Impresario Lele Mora, den Prostitutionsring um Berlusconi organisiert haben. Gegen das Trio wird wegen Anstiftung zur Prostitution ermittelt.

Internet Bilder aus dem Leben Berlusconis unter www.rp-online.de/politik

Quelle: RP


Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.

 
 
Artikel der Rubrik Politik
 
 
Links zu diesem Artikel
 
Anzeige

Die Paukenschläge des Oskar Lafontaine
Die Paukenschläge des Oskar Lafontaine
Oskar Lafontaine hat in seiner politischen .. mehr 
 
Die Paukenschläge des Oskar Lafontaine
Die Paukenschläge des Oskar Lafontaine
Oskar Lafontaine hat in seiner politischen ..
mehr 
Alexis Tsipras zu Gast in Berlin
Alexis Tsipras zu Gast in Berlin
Der Linkspopulist Tsipras ist weltweit zum ..
mehr 
Thilo Sarrazin bei der Vorstellung seines Euro-Buchs
Thilo Sarrazin bei der Vorstellung seines Euro-Buchs
Der frühere SPD-Finanzsenator und Bundesbanker Thilo Sarrazin hat sein ..
mehr 
Gauck entlässt Röttgen als Umweltminister
Gauck entlässt Röttgen als Umweltminister
Bundespräsident Joachim Gauck hat Norbert ..
mehr 
Landtagswahl Nordrhein-Westfalen - SPD - Grüne

NRW-Koalitionsgespräche gestartet

Kraft und Löhrmann zuversichtlich

Gut eine Woche nach ihrem Sieg bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen haben SPD und Grüne Koalitionsverhandlungen aufgenommen. Die Verhandlungsführerinnen, Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Löhrmann (Grüne), äußerten zuversichtlich. mehr

 
Germany Greece Financial Crisis

Linksradikaler Grieche zu Gast in Berlin

"Wir bitten um die Solidarität der Deutschen"

Alexis Tsipras ist für viele Politiker in Europa ein Schreckgespenst. Der radikallinke Grieche kämpft für ein Ende des Sparkurses in seinem Land und feiert Erfolge in Umfragen und Wahlen. Auf Einladung der Linken kam Tsipras am Dienstag nach Berlin. mehr

 

Dauer-Streit um Linke-Vorsitz

Oskar Lafontaine zieht Kandidatur zurück

 

Kanzlerin verteidigt Röttgen-Aus

Merkel: "Personeller Neuanfang notwendig"

 

Schwierige Energiewende in Deutschland

Rösler nimmt Länder in die Pflicht

 

Neuer Bundesumweltminister

Altmaier will bei Energiewende Tempo machen

 

Fangprämien im Gesundheitswesen

SPD fordert Gesetzesverschärfung

 

NRW-CDU sucht Wege aus der Krise

Laschet: "Es tut gut, demütig zu sein"

Top-Services