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Düsseldorf: Forscher warnt: Neonazi-Frauen stabilisieren Szene

VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 23.11.2011 - 02:30

Düsseldorf (RP). Der Leiter der Forschungsstelle Rechtsextremismus an der Fachhochschule Düsseldorf, Fabian Virchow, sieht mit Blick auf die Neonazi-Szene auch in NRW zweierlei Gefahren: dass der Anteil von Frauen weiter steigt und dass sich auch im Westen der Typus des intelligenten, gebildeten, gut ausgebildeten, historisch bewanderten Rechtsextremisten stärker hervortut. Im Gespräch mit unserer Zeitung befürwortete der Politikwissenschaftler ein Landesprogramm NRW mit dem Ziel, sämtliche Akteure im Kampf gegen Rechtsextremismus zum Erfahrungsaustausch an einen Tisch zu bringen.

Derzeit gibt es laut Virchow Neonazi-"Hotspots" mit hoher Gewaltbereitschaft in Dortmund, Wuppertal und im Aachener Land; rund um Aachen würden teilweise sogar die zehn Morde der Zwickauer Täter verherrlicht. Ein gezielter, räumlich zusammengefasster Erfahrungsaustausch könne bewirken, dass man nicht bei jeder neuen Erkenntnis aus anderen Landesteilen alles neu erfinden müsse.

Virchow zufolge ist die Neonazi-Szene an Rhein und Ruhr derzeit noch geprägt vom grobschlächtigen Extremisten-Typus. Aber die NRW-Szene schaue zunehmend lernend nach Osten und darauf, was sich in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen zeige: eine Tendenz zum Neonazi mit Umgangsformen, auch zum "netten Nazi von nebenan", der sich um Alltagssorgen der Menschen kümmert und so den Wolf im Schafspelz spielt.

Virchow meinte, dass es Teil unserer "schiefen Wahrnehmung" sei, Neonazis per se für primitiv und ungehobelt zu halten. Im Übrigen hätten auch ihn die zehn kaltblütig ausgeführten Morde der Zwickauer Täter überrascht. Ob sich so etwas wiederhole? Virchow: "Auch von diesen Morden wurden wir überrascht, vielleicht drohen uns noch andere Überraschungen." Er jedenfalls befürchte, dass Deutschland noch viele Jahre mit dem gewaltbereiten Rechtsextremismus-Phänomen konfrontiert bleibe.

Der wachsende Frauenanteil in der Neonazi-Szene habe zwei Negativ-Effekte. Zum einen könnten Neonazis auf das veränderte Erscheinungsbild nach außen verweisen: "Guckt mal, bei uns gibt's auch Frauen." Zum anderen stabilisierten Frauen die Neonazi-Szene insofern, als durch sie in der Szene Partnerschaften gepflegt würden, wodurch korrigierende Einflüsse von außen geringer ausfielen.

Internet Die Wenden in den Ermittlungen unter www.rp-online.de/panorama

Quelle: RP


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