Düsseldorf: Finanzaffäre der rheinischen Kirche weitet sich aus
VON FRANK VOLLMER - zuletzt aktualisiert: 30.11.2011 - 02:30Düsseldorf (RP). Die Evangelische Kirche im Rheinland stützt ihre in Finanznöte geratene Firma BBZ im pfälzischen Bad Dürkheim mit weiteren vier Millionen Euro. Das teilte die Kirchenleitung mit. Damit ist die Kirche dem BBZ bisher insgesamt mit 20 Millionen Euro zur Seite gesprungen. Der Betrag entspricht gut drei Prozent des derzeitigen jährlichen Kirchensteuer-Aufkommens im Rheinland.
Das Beihilfe-und-Bezüge-Zentrum, das als GmbH firmiert und dessen alleiniger Gesellschafter seit 2000 die Landeskirche ist, ist spezialisiert auf Personalabrechnung und Beihilfewesen. Es hat 90 Mitarbeiter und rund 1200 Kunden. Auch die Mitarbeiter des Landeskirchenamts erhalten ihr Gehalt über das BBZ. Die Firma war durch misslungene Anlagegeschäfte und Zinsausfälle unter Druck geraten. Die Kirche vermutet Betrug durch Dritte und hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Offenbar hat sich das BBZ aber auch auf besonders riskante Angebote eingelassen. Die Firma sei auf Renditeversprechen von 30 Prozent pro Jahr eingegangen, heißt es im Landeskirchenamt. Präses Nikolaus Schneider sagte, in einer Zeit, da vielen Unternehmen "Maß und Ziel aus dem Blick" gerieten, sei es "umso bitterer, dass eine Firma, die uns gehört, Maß und Ziel offenkundig selbst aus den Augen und damit viel Geld verloren hat".
Von den 20 Millionen Euro Schaden entfallen laut Kirche 7,5 Millionen auf mutmaßlich durch Betrug verlorenes Geld, 8,5 Millionen auf dadurch fehlende Zinsen und die letzten vier Millionen auf weitere Sanierungskosten. Eine Insolvenz des BBZ hätte die Auszahlung von Löhnen und Gehältern gefährdet, hieß es aus der Landeskirche zur Rechtfertigung der Finanzhilfen.
Zum Verlust kam es offenbar auch, weil die Kontrolle, auch kirchlicherseits, nicht funktionierte. Die Jahresabschlüsse des BBZ seien seit 2007 entweder nur eingeschränkt oder gar nicht testiert, also von Wirtschaftsprüfern begutachtet, und nicht korrekt veröffentlicht worden, sagte Christian Drägert, Chef des Landeskirchenamts. Trotzdem sei die Geschäftsführung von der Gesellschafterversammlung teils entlastet worden. Nach Informationen unserer Zeitung saß auch Finanzdezernent Georg Immel in diesem Aufsichtsgremium. Die Kirche äußerte sich dazu nicht.
Drägert betonte, die Hilfen kämen ausschließlich aus Rücklagen; Gemeinden würden nicht belastet. Die Landeskirche hat nach eigenen Angaben zivilrechtliche Schritte beschlossen und prüft Disziplinarmaßnahmen gegen die Verantwortlichen. Auch das eigene Controlling soll überprüft werden. Bis Mitte 2012 will die Kirche zudem entscheiden, ob sie sich vom BBZ trennt.
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