FDP: Razzia gegen Loveparade-Organisator kam zu spät
zuletzt aktualisiert: 23.08.2010 - 02:30Die Ermittler schlugen Anfang voriger Woche zu. In insgesamt sechs Objekten in Berlin, Duisburg, Essen und Köln sowie im bayerischen Taufkirchen und im fränkischen Schlüsselfeld, dem Firmensitz von Schallers Sportstudiokette McFit, nahm die Staatsanwaltschaft Duisburg Durchsuchungen vor. Nach Informationen des Magazins "Der Spiegel" geht aus dem Durchsuchungsbeschluss hervor, dass vor allem "Daten über die Organisationsstruktur", "Auftragsunterlagen" und "Personaldaten" der auf der Loveparade eingesetzten Mitarbeiter gesichert wurden.
Bei einer Massenpanik bei der Loveparade waren 21 Menschen ums Leben gekommen. Horst-Engel, Innen-Experte der FDP, zeigte sich erstaunt darüber, dass die Razzia "erst jetzt", Wochen nach dem Unglück, durchgeführt wurde. Zur "Beweissicherung" sei es nun möglicherweise "zu spät".
Laut "Spiegel" hat der Düsseldorfer Polizeidirektor Jörg Schalk bereits Mitte Juni das dubiose PR-Konzept der Loveparade und die Wegführung angeprangert. Obwohl das Gelände nur für 250 000 Besucher zugelassen war, hatten Veranstalter Schaller und Duisburgs OB Adolf Sauerland (CDU) stets von mehr als einer Million erwarteten Besuchern gesprochen.
Wie jetzt bekannt wurde, soll die Genehmigung der Loveparade von der früheren schwarz-gelben Landesregierung massiv unterstützt worden sein. Nach Medienberichten soll das NRW-Innenministerium Druck auf die Düsseldorfer Bezirksregierung ausgeübt haben. Die Stadt Duisburg hatte befürchtet, dass die Kommunalaufsicht die Loveparade wegen der angespannten Haushaltslage kippen könnte. Deswegen soll sich das Büro des Duisburger OB Adolf Sauerland an den persönlichen Referenten des früheren Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) gewendet haben.
Nach dem Telefonat wurde den Berichten zufolge tatsächlich Rückendeckung durch die Landesregierung organisiert. So schaltete das Rüttgers-Büro den zuständigen Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff ein. Der telefonierte mit dem früheren Staatssekretär im Innenministerium, Karl Peter Brendel. Der FDP-Politiker sicherte Unterstützung durch seinen Chef, Innenminister Ingo Wolf (FDP), zu. In einem handschriftlichen Vermerk heißt es: "Loveparade wird genehmigt". Und weiter: "IM redet mit RP Büssow." "IM" steht für Innenminister, Jürgen Büssow war der Düsseldorfer Regierungspräsident.
Wurde die Loveparade erst durch den politischen Druck der Landesregierung ermöglicht? Der frühere Innenminister Wolf war gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit. Er sei "in Urlaub", erklärte er telefonisch.
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