Erdogan wirft Franzosen Völkermord in Algerien vor
zuletzt aktualisiert: 24.12.2011 - 02:30Istanbul (dapd) Das Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich belastet die Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich schwer: Als Reaktion auf das vom französischen Parlament verabschiedete Genozid-Gesetz hat Ankara dem Land vorgeworfen, während seiner Kolonialherrschaft in Algerien Völkermord begangen zu haben.
15 Prozent der Bevölkerung seien von den Franzosen "gnadenlos massakriert" worden, erklärte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in einer emotionalen Rede. Zudem seien Algerier in Ofen verbrannt worden. Die Verabschiedung des französischen Gesetzes sei "ein klares Beispiel dafür, dass Rassismus, Diskriminierung und anti-muslimische Ressentiments in Frankreich und Europa einen neuen Höhepunkt erreicht" hätten, erklärte Erdogan.
In seiner Rede griff er auch den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy an. Dessen Ziel sei es, "eine Wahl zu gewinnen, indem er Hass auf Türken und Muslime" schüre, sagte er mit Blick auf die im kommenden April anstehende Präsidentenwahl in Frankreich.
Nach dem am Donnerstag vom französischen Parlament auf den Weg gebrachten Gesetzentwurf soll die Leugnung des Völkermords an den Armeniern 1915 im damaligen Osmanischen Reich mit einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr sowie einer Geldstrafe von 45 000 Euro geahndet werden. Allerdings muss er noch vom Senat gebilligt werden. In Frankreich leben viele Armenier.
Die Türkei hat den Vorwurf des geplanten und koordinierten Massenmords an Armeniern jedoch zurückgewiesen. In einer ersten Reaktion hatte Ankara schon den Botschafter aus Paris abgezogen.
Auch der türkische Präsident Ahmet Davutoglu übte scharfe Kritik am französischen Votum. Es sei mit den Versuchen der Regierungschefs im Nahen Osten vergleichbar, die Redefreiheit zu beschneiden. "Europa ist philosophisch und ideologisch ins Mittelalter zurückgefallen", erklärte Davutoglu auf einer Konferenz türkischer Botschafter Ankara.
Frankreich sei den Menschenrechten und dem Respekt vor dem "historischen Gedächtnis" verpflichtet, erklärte dagegen Nicolas Sarkozy. "Ich respektiere die Überzeugungen unserer türkischen Freunde und sie müssen unsere respektieren", ergänzte er.
Die meisten Historiker gehen davon aus, dass während des Ersten Weltkriegs auf dem Gebiet des damaligen Osmanischen Reichs bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet wurden – sie sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.
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