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Duisburg: Polizei erneut belastet

VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 13.08.2010 - 02:30

Die Rolle der Polizei bei der Loveparade-Tragödie mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten gerät nach einem Medienbericht zunehmend in die Diskussion. Angeblich hatten die Beamten auf dem Techno-Fest weiterreichende Aufträge als bisher behauptet. Das geht aus einem polizeiinternen Papier hervor, das "Spiegel Online" vorliegt. Darin heißt es, dass die Einsatzkräfte den Veranstalter "lageabhängig" unterstützen und "insbesondere zur Gewährleistung eines sicheren und kontrollierten Zugangs/Abgangs zum/vom Veranstaltungsgelände" beitragen sollten. Zudem seien die Beamten angehalten, "das Übersteigen von Sicherheitszäunen" und "das Besteigen von Objekten" zu verhindern.

Bislang hatte Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärt, die Polizei auf dem Loveparade-Gelände habe sich ausschließlich um die Bearbeitung von Diebstählen oder "die Verhinderung von Körperverletzungen" zu kümmern gehabt. Das Gros der Einsatzkräfte, so Polizeiinspekteur Dieter Wehe, sei außerdem dafür zuständig gewesen, den Weg zum Veranstaltungsgelände zu sichern. Für das Veranstaltungsgelände, zu dem mit der Rampe auch der Unglücksort gehörte, sei aber allein der Veranstalter verantwortlich gewesen.

Das NRW-Innenministerium bleibt bei dieser Darstellung. "Die Rampe nach dem Tunnel, auf der das Unglück dann passierte, lag eindeutig in der Zuständigkeit des Veranstalters", sagte ein Ministeriumssprecher gestern. Ein Widerspruch zwischen Jägers Darstellung und dem Einsatzbefehl sei damit nicht erkennbar. Als der Veranstalter Hilfe anforderte, habe die Polizei natürlich eingegriffen. Das ändere jedoch nichts daran, dass der Veranstalter für die Sicherheit auf seinem Gelände zu sorgen habe: "Das ist wie bei einem Fußballspiel. Da greift die Polizei auch erst ein, wenn randaliert wird."

Aber auch der Eingriff der Polizei ist umstritten. So wirft der sogenannte Crowd-Manager ("crowd" engl. für Masse), der in der Rampe in einem Container das Geschehen beobachtete, der Polizei vor, falsch reagiert beziehungsweise unzureichend kommuniziert zu haben. Gegen seinen Rat seien Schleusen vor dem Westtunnel geöffnet worden, so dass die Massen auf die Rampe drängen konnten. Außerdem habe der Verbindungsbeamte im Container kein Funkgerät gehabt und konnte sich nicht mit seinen Kollegen verständigen. So seien entscheidende Minuten vergangen, in denen die Lage eskalierte. Das Innenministerium widerspricht auch dieser Darstellung.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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