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Die Steinmeiers – Liebe seit der Uni

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 24.08.2010 - 02:30

Die Nachricht von der Nierenspende des SPD-Fraktionschefs für seine schwer erkrankte Ehefrau wirft ein bezeichnendes Licht auf eine bemerkenswert stabile Beziehung im Beziehungen zerstörenden Politikbetrieb. Jeder hat seinen eigenen Kopf, steht aber auch für den anderen ein.

Helmut Schmidt regierte nicht ohne Loki, Gerhard Schröder nicht ohne Doris, und auch Frank-Walter Steinmeier machte bei seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten bei einem SPD-Sonderparteitag 2008 klar, dass er die Herausforderung nur zusammen mit seiner Frau wagen wollte. Vor den Kameras umarmten und küssten sich die beiden, die sich schon während ihres Studiums kennen- und lieben gelernt hatten.

Damals war er Hilfskraft an der Juristischen Fakultät der Uni Gießen. Elke Büdenbender studierte Jura. "Wie man sich halt so kennenlernt", lauteten selbst bei Talkshows, die mehr in die persönliche Tiefe gingen, die Beschreibungen für die Anfänge der Romanze. "Irgendwann hat es gefunkt", so Steinmeier. Die Funken führten sieben Jahre später zum Standesamt. Die inzwischen auf eigenen beruflichen Beinen stehende Juristin behielt ihren Namen bei.

Zum zehnten Hochzeitstag 2005 hatte sie sich eigentlich als Überraschung ausgedacht, seinen Namen anzunehmen. Doch da war Steinmeier gerade Bundesaußenminister und Vizekanzler der Republik geworden. "Das sieht jetzt ganz blöd aus, so als würde ich mir fremde Lorbeeren anstecken", befand Büdenbender. Und behielt ihren Namen. Und nicht nur den. "Sie hat ihren eigenen Kopf", betonte Steinmeier mehr als einmal. Aber stets in einem Ton, der Anerkennung und Genugtuung über die Kraft und Stärke an seiner Seite ausdrückt.

In den Privaträumen der Eheleute wird nicht nach Klischee gelebt. So verriet sie, dass sie sich lieber mit einem Glas Wein ins Wohnzimmer zurück ziehe und warte, bis er mit dem Kochen fertig sei. Und auch das bewundernde Anhängsel ist nicht ihr Ding. "Wenn er um vier Uhr nachts nach Hause kommt, will ich auch nichts mehr von seinem Tag hören", befand sie trocken. Und: "Er hat seinen Job, ich habe meinen" – als Sozialrichterin am Berliner Verwaltungsgericht. Als sich in den letzten Wochen die Nierenerkrankung seiner Frau dramatisch verschlechterte, musste Steinmeier nicht lange überlegen. Erst Recht nicht, als feststand, dass er als Spender in Frage kommt. Eher zweitrangig war für ihn, ob er sich angreifbar macht.

Denn die noch 2009 gehandelte Befürchtung, Parteichef Gabriel könnte ihn bei nächstbester Gelegenheit beiseite schieben, hat sich inzwischen verflüchtigt. Die beiden wissen, dass sie zusammen die Breite der Partei überzeugender abzudecken und die Genossen besser mitzunehmen vermögen, als es einer alleine könnte. Und Steinmeier hat wiederholt klar gemacht, dass er auch stets dann beiseite tritt, wenn Gabriel im Bundestag den Gegenpart zur Kanzlerin spielen will. Nach Rückkehr in den politischen Alltag wird Steinmeier durch sein Verhalten erst Recht gestärkt geworden sein.

Büdenbender bekommt nun einen weiteren Beleg für ihre im Wahlkampf wiederholt betonten Proteste gegen das Medienbild ihres Mannes als langweiligen und uncharismatischen Menschen: "Wer um Mitternacht von einer Auslandsreise nach Hause kommt und dann bis zwei Uhr mit der Tochter Ikea-Regale aufbaut, kann doch nur eine toller Typ sein."

Der tolle Typ rettet jetzt ihr Leben.

Internet Elke Büdenbender, eine starke Frau im Porträt: www.rp-online.de/politik

Quelle: Rheinische Post

 
 
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