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Der Islam und die Gewalt

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 07.06.2010 - 02:30

Eine neue Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer sieht bei jungen Muslimen mit ausgeprägter Religiosität eine erhöhte Gewaltbereitschaft. Ursache soll deren "Macho-Kultur" sein.

Düsseldorf Diesmal hat Christian Pfeiffer ungewöhnlich lange mit der Veröffentlichung seiner Studie gezögert. "Der Befund ist zwar eindeutig", sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen schon im Januar gegenüber unserer Zeitung, "aber vor der Veröffentlichung müssen wir uns erst noch mit dem Bundesinnenministerium abstimmen, wie wir die brisanten Ergebnisse öffentlich darstellen, ohne ein Erdbeben auszulösen."

Erst jetzt, fast ein halbes Jahr nach ihrem Abschluss, macht Pfeiffer die Studie publik. Brisant ist das Ergebnis in der Tat: Deutschlands bekanntester Kriminologe will herausgefunden haben, dass besonders religiöse junge Muslime auch besonders gewaltbereit sind. Bei evangelischen und katholischen Jugendlichen zeige sich eine gegenläufige Tendenz: "Christliche Gläubige begehen seltener jugendtypische Gewalttaten", so Pfeiffer.

Für seine Studie hat er 45 000 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren befragt, darunter 10 000 Migranten. Vor allem männliche Jugendliche aus muslimischen Zuwanderer-Familien gaben dabei auffallend oft an, schon Delikte wie Körperverletzung oder Raub begangen zu haben.

Die höchste Gewalttäter-Quote gibt es der Studie zufolge unter den "sehr religiösen" muslimischen Jugendlichen mit 23,5 Prozent, die niedrigste dagegen bei den "etwas religiösen" mit 19,6 Prozent. Die höhere Gewalttätigkeit war dabei ausschließlich bei Jungen zu beobachten. Unter jugendlichen Migranten mit christlichem Hintergrund – etwa aus Polen oder der ehemaligen Sowjetunion – sinkt die Quote der Gewalttäter von 21,8 Prozent bei nichtreligiösen Jugendlichen auf 12,4 Prozent bei sehr religiösen Jugendlichen.

Den Einwand, dass andere soziale Ursachen für Jugendgewalt – Medienkonsum, Einkommen und Bildungsstand der Eltern zum Beispiel – wesentlich besser belegt sind, lässt Pfeiffer nicht gelten. Pfeiffer meint dazu: "Selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet, bleibt ein signifikanter Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft."

Gute Christen, böser Islam? So einfach ist die Welt für Pfeiffer nicht. So zeigt die Studie auch, dass gläubige Muslime deutlich weniger Alkohol trinken und weniger Ladendiebstähle begehen. Erst bei schweren Gewalttaten geht die Schere zulasten der muslimischen Jugend auf.

Um das Warum zu beantworten, fragte Pfeiffer unter anderem: "Wenn die Frau ihren Mann betrügt, darf der Mann sie dann schlagen?" Derartigen Macho-Aussagen stimmten muslimische Jugendliche mehr als doppelt so oft zu wie christliche Zuwanderer.

"Die muslimische Religiosität fördert die Akzeptanz der Macho-Kultur", meint Pfeiffer. Der Kriminologe führt die Probleme nicht auf den Islam, sondern auf die Art der Vermittlung dieser Religion speziell in Deutschland zurück. Ein großer Teil der Imame halte sich hier nur vorübergehend auf und lehre den Islam deshalb ohne Kenntnis der deutschen Sprache und Kultur, zitiert er frühere Studien. Ohnehin warnt Pfeiffer vor einer pauschalen Verurteilung des Islam: Auch die Ausgrenzung von Muslimen fördere deren Rückzug. Der islamische Glaube selbst motiviere nicht zur Gewalt.

So pointiert die Pfeiffer-Studie auch ist, sie dürfte nicht ohne Widerspruch bleiben. Zu viele Studien zeichnen ein wesentlich friedlicheres Bild vom Islam. Vor zwei Jahren unternahm etwa das US-Meinungsforschungsinstitut Gallup die wohl umfassendste Erhebung zum Thema: Die Autoren führten sechs Jahre lang weltweit 50 000 Interviews mit Muslimen. Die überwältigende Mehrheit der befragten Männer sprach sich nicht nur gegen Gewalt, sondern auch für eine Gleichstellung der Frauen aus. Auch in einer Studie des Bundesinnenministeriums ("Muslime in Deutschland") sprachen sich 85 Prozent der Befragten eindeutig gegen Gewalt aus.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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