CDU betont ihr "C"
VON HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 28.09.2010 - 02:30Die Union hat gestern in Berlin über christliche Werte debattiert. Fraktionschef Volker Kauder will damit Kritikern entgegentreten, die das fehlende konservative Profil seiner Partei bemängeln.
Berlin CDU und CSU begegnen dem Vorwurf, sie vernachlässigten ihre konservativen Werte – und besinnen sich auf das Christentum. Gestern suchte Fraktionschef Volker Kauder vor 700 Zuhörern das Gespräch mit Kirchenvertretern bei einem Kongress unter dem Titel "Das ,C' ist für uns Programm" in Berlin.
"Das christliche Menschenbild ist unser Markenkern, zentraler Grundwert und Orientierungspunkt", sagte Kauder bei der Begrüßung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider.
Kauder versuchte es mit einer philosophischen Herangehensweise an die Bibel, die den Menschen zur Freiheit berufen habe: "Wir müssen unserem christlichen Kompass folgen", appellierte er an die Zuhörer. Dabei dürfe die Nächstenliebe aber nicht zu weit gehen. Abhängig zu sein vom Nächsten – so wie der Hartz IV-Empfänger vom Staat – schränke die Freiheit ein und sei dementsprechend wenig erstrebenswert.
Applaus erntete Kauder für diese Überlegungen zur Einschränkung des Wohlfahrtsstaats nicht. Wohl aber für die Ankündigung, die Ehe niemals mit der "Homo-Ehe" gleichzustellen. Und auch für sein Lob für die konservative Familie, bei der ein Elternteil zu Hause die Kinderbetreuung übernimmt: "Das ist kein Modell von vorgestern", so Kauder. Unterstützung erhielt der CDU-Politiker von Erzbischof Zollitsch: "Jesus war kein rückwärtsgewandter Sozialromantiker", erklärte er.
Ein "Signal an die christlich-konservativen Kreise der Union" – so bewertet der Parteienforscher Gerd Langguth die Veranstaltung. Denn von konservativen Kreisen werde der Partei Beliebigkeit vorgeworfen – eine Kritik, die sich vor allem an Kanzlerin Angela Merkel richte. Die hatte zuletzt den Umgang des Papstes mit den radikalen Pius-Brüdern kritisiert. Das habe vielen Katholiken in der Partei nicht gepasst, sagt Langguth. So ist der Kongress, der Auftakt sein soll für weitere Veranstaltungen, auch eine Besänftigung der katholischen Parteimitglieder.
"Die Diskussion ist überfällig", sagt etwa Martin Lohmann, Sprecher des "Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU". Der erklärte Abtreibungsgegner wirft seiner Partei seit Langem vor, ihr "katholisches Profil komplett verloren" zu haben. Doch gerade beim Reizthema Abtreibung ist die Grenze der konservativen Rückbesinnung bei der CDU erreicht: Es werde "nichts zurückgeschraubt", betonte Unions-Fraktionschef Kauder – eine Position, die von der evangelischen Kirche geteilt wird: Frauen dürften nicht alleine gelassen werden, sagte Präses Schneider. Die Kirche sei den Menschen verpflichtet und müsse ihnen zur Seite stehen, etwa bei der Schwangerschaftskonfliktberatung.
Die wird von der katholischen Kirche seit 1999 abgelehnt – ein Dilemma für die Union, wie es sich bei vielen christlichen Themen abzeichnet. Welcher Haltung sollen die Parteien folgen, wer legt fest, was der "rechte" christliche Weg ist? Dieselbe Frage muss sich die Partei stellen, wenn sie über konservative Werte diskutiert.
Kanzlerin Merkel hat sich für einen modernen Kurs entschieden. "Die CDU war nie eine rein konservative Partei", so Parteienforscher Langguth. Sie ist zwar christlich geprägt, blieb aber dennoch immer eins: Volkspartei.
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