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Bombay-Attentäter vor Gericht

VON CHRISTINE MÖLLHOFF - zuletzt aktualisiert: 16.04.2009 - 02:30

Neu-delhi. Als Ende November 2008 zehn Terroristen drei Tage in Indiens Film- und Finanz-Metropole Bombay wüteten und mehr als 170 Menschen töteten, ging sein Foto um die Welt: Der Pakistaner Ajmal Amir Kasab (21) wurde zum Gesicht des Terrors. Gestern sollte der Prozess gegen den einzig überlebenden Attentäter beginnen. Doch die Verhandlung platzte nach wenigen Minuten: Der Angeklagte, dem die Todesstrafe droht, stand plötzlich ohne Verteidigung da. Der Prozess wurde vertagt.

Das Gericht setzte überraschend Kasabs Pflichtverteidigerin Anjali Waghmare ab. Es warf ihr einen Interessenkonflikt vor. Angeblich soll sie auch einen Zeugen der Terror-Attacke vertreten. Waghmare bestritt dies – aber vergeblich. Sichtlich betreten verließ sie die Verhandlung.

Der Vorfall ist seltsam. Die mit einem Polizisten verheiratete Anwältin hat ihr Leben riskiert, als sie Kasabs Mandat übernahm. Hindu-Fanatiker haben ihr und ihrer Familie mit Mord gedroht, auch Kollegen verurteilten ihren Schritt. In Indien ist es keineswegs anerkannte Meinung, dass auch Terroristen das Recht auf einen Verteidiger haben. Fernsehsender berichteten, man habe der Juristin nicht einmal erlaubt, mit ihrem Mandanten zu reden. Gestern wurde Kasab erstmals einem Richter vorgeführt. Aus Angst vor Racheakten oder Befreiungsversuchen findet der Prozess im Hochsicherheitsgefängnis von Bombay statt, es wurde eigens ein sechs Meter langer Tunnel von Kasabs Zelle zum bombensicheren Verhandlungsraum angelegt. Das Gericht will bis morgen einen Ersatz für Waghmare finden.

Die Anklageschrift gegen Kasab und andere Verdächtige füllt 11 000 Seiten. Man wirft Kasab unter anderem Mord, Entführung und "kriegerische Handlungen gegen Indien" vor. Mehr als 2000 Zeugen will die Anklage aufbieten. Die Fakten sind erschlagend: Die Terroristen hatten Ende November Nobelhotels und andere Gebäude in Bombay überfallen, Geiseln genommen und sich drei Tage einen blutigen Häuserkampf mit den Sicherheitskräften geliefert.

Indien sieht die pakistanische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba hinter der Tat, die auch Kontakte in Pakistans Geheimdienst ISI hinein haben soll. Kasab soll alles gestanden haben. Indiens Polizei gilt allerdings nicht als zimperlich. Dass man Kasab "Wahrheitsdrogen" verabreicht und ihn gefoltert hat, davon gehen Prozessbeobachter aus.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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