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Uelzen: Bewegender Abschied von Peter Struck

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 04.01.2013

Uelzen (RP). Bei der Trauerfeier in Uelzen beschreiben Politiker und Soldaten, wie sehr ihnen der "knorrige Typ" als Ex-Minister und als Mensch fehlt.

Zwei Worte tauchen in den Traueransprachen an diesem verregneten Januartag in der Uelzener St.-Marien-Kirche am häufigsten auf: "Freund" und "Mensch". Das mag üblich sein für private Begräbnisse. Aber dies ist kein privater Akt. Es ist der offizielle Abschied der Bundesrepublik Deutschland von ihrem ehemaligen Verteidigungsminister und SPD-Fraktionschef Peter Struck. Umso bezeichnender ist, dass sich diese Trauergemeinde aus Militärs und Politikern unterschiedlichster Lager mit diesen Begriffen über alle üblichen Grenzen hinweg identifiziert: mit Peter Struck als "Freund" und als "Mensch".

Die frische Erinnerung an das Wesen jenes Politikers, der kurz vor Weihnachten 69-jährig überraschend nach einem schweren Herzinfarkt gestorben ist, macht es den Akteuren in ihren Ansprachen offenbar einfach, aus den üblichen gestelzten Versatzstücken auszubrechen. Als "knorrig, rau, herzlich, direkt, humorvoll, auch scharf" beschreibt ihn Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU).

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier schildert, dass "Peter" nie den Blick für Wert und Würde seines Gegenübers verlor, völlig unabhängig von Rang oder Herkunft. Und Ex-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan drückt aus, warum die Soldaten Struck über den Tod hinaus bewundern: "Das war kein Buhlen, das war echt und ehrlich." Zuvor schon hat de Maizière daran erinnert, wie Struck kompromisslos zur Truppe stand, die ersten Gefallenen betrauern musste, den Soldaten und ihren Familien Halt und Versehrten bleibende Jobs garantierte.

Im Angesicht des mit einer Deutschlandflagge geschmückten Sarges wagen die Weggefährten auch, sehr Persönliches öffentlich zu machen. De Maizière schildert, wie er den Rat des Vorvorvorgängers suchte, als auch er selbst schwere Standortentscheidungen zu fällen hatte. Strucks Empfehlung: "Gut überlegen, mit allen sprechen, alles bedenken, alleine entscheiden, Kanzlerrückendeckung sichern und dann nicht wackeln." De Maizières Kommentar: "So habe ich es dann auch gemacht."

Der CDU-Politiker de Maizière und der SPD-Politiker Steinmeier schildern, wie sich Struck Respekt über die Parteigrenzen erwarb und erhielt und selbst in heftigsten politischen Kämpfen die Verantwortung über den Tag hinaus im Auge behielt. Was die Politiker nur andeuten, enthüllt der Militär Schneiderhan: Strucks Raubeinigkeit sei nur eine Schutzmauer um eine sensible Seele gewesen. Tatsächlich habe Struck "nah am Wasser gebaut".

Während der gesamten Amtszeit seien sie per "Sie" gewesen, erläutert der ehemalige Generalinspekteur ("GI") weiter, als er von Strucks Reaktion auf Schneiderhans Entlassung durch Minister Karl-Theodor zu Guttenberg 2009 berichtet. Struck habe ihn aufgesucht und gesagt: "GI, ich kann Ihnen da nicht helfen, aber ich bin der Peter!" Auffangen mit kleinen, aber wirksamen Gesten: "Peter hat vielen von uns seine Freundschaft geschenkt", fasst der frühere höchste Soldat zusammen. Und überträgt namens dieser Freunde diese Beziehung auf die "liebe Brigitte", Strucks Witwe.

Auch das zeigt den Charakter der Trauerfeier. Früher hätte es einen förmlichen Staatsakt gegeben. Aber es war während Strucks Ägide, dass führende Sozialdemokraten an der Spitze der Verfassungsorgane die Absprache trafen, die Inflation jener Riten zu beenden und sie nur noch ehemaligen Trägern allerhöchster Staatsämter zuteil werden zu lassen.

Doch es steht jedem frei, in besonderen Fällen persönlich Flagge zu zeigen. Viele Spitzenpolitiker tun dies in Strucks Heimat. Auch die beiden Ex-Kanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder. Und sie alle wissen, dass es schon bisher zu wenige markante Typen wie Peter Struck in der deutschen Politik gab. Und dass es nun, wie Steinmeier es ausdrückt, umso mehr gilt: "Peter, wir werden Dich vermissen!" Aber mehr nach Strucks Devise: "Wenig Pathos, viel Ethos."

Quelle: RP


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