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„Drei Überfälle erlebt“

zuletzt aktualisiert: 21.11.2008

Kapitän Maher Raschad

Wie gehen die Piraten gewöhnlich bei ihren Angriffen vor?

Raschad Sie verlassen sich darauf, dass die Besatzungen nicht aufmerksam sind. Eine ihrer Methoden ist es, ein Seil zwischen zwei kleine Boote zu spannen. Das Handelschiff fährt dann in das Seil hinein und zieht automatisch die beiden kleinen Boote an der Seite mit. Mit Hilfe von Leitern oder Enterhaken, die mit Gummi umspannt sind, klettern sie dann die Bordwände geräuschlos hoch.

Wie wappnen Sie sich gegen einen Angriff?

Raschad Ich habe drei Überfälle erlebt, nur einmal haben es die Piraten geschafft, an Bord zu kommen. Die Regionen, in denen Seeräuber ihr Unwesen treiben, durchkreuzt man nicht in ein paar Stunden, sondern in ein paar Tagen. Ich versuche deshalb, eine solche Zone in so wenig Nächten wie möglich zu durchqueren, weil die meisten Angriffe im Schutz der Dunkelheit erfolgen.

Wie lässt sich verhindern, dass die Piraten an Bord kommen?

Raschad Als Seeleute von Handelsschiffen dürfen wir nicht bewaffnet sein. Ich lasse nachts vermehrt Bordwachen aufstellen und alle Lampen anschalten. Manchmal spielen wir extra laute Musik, um eine Party vorzutäuschen. Gleichzeitig suchen Wachposten mit Ferngläsern das Wasser ab.

Und wenn die dann Piraten sichten?

Raschad Dann packen wir Müll in große Tüten und gießen Benzin hinein. Wenn sich die Seeräuber dann nähern, zünden wir die Bündel an und werfen sie über Bord.

Das wirkt aber nicht immer.

Raschad Stimmt. Das eine Mal, als wir gekapert wurden, reichte die Zeit nicht mehr, Hilfe herbeizufunken. Meine Männer haben die Anweisung strikt befolgt, in diesem Fall keinerlei Widerstand zu leisten. Dann begannen wir zu verhandeln – so gut es ging.

Wie kann diese Kriminalität auf See wirkungsvoll bekämpft werden?

Raschad Früher waren die Piraten arm. Sie kamen nachts mit einfachen Waffen und es ging ihnen darum, ihr Überleben zu sichern. Heute greifen sie immer schwerer bewaffnet zu jeder Tageszeit an. Die Reedereien zahlen viel Lösegeld. Piraterie ist ein großes Geschäft für eine Art Mafia. Ich hoffe, dass die internationale Gemeinschaft das Problem in den Griff bekommt.

Karim El-Gawahry stellte die Fragen.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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